Vedische Zeiteinheiten auf den unteren Planetensystemen (01.01.2015)

Obgleich alle Lebewesen von rein spiritueller Natur und damit von der Zeit (Sanskrit: „Kala“) unabhängig sind, geraten sie im Kontakt mit der Materie in deren Abhängigkeit. Die Zeit ist ein ständiger Begleiter der 3 Erscheinungsweisen der materiellen Natur „Unbewusstheit“ („Tamas“), „Leidenschaft“ („Rajas“) und „Bewusstheit bzw. Tugend“ („Sattva“) – sie sorgt für deren ständigen Wechsel. Ein also eigentlich spirituelles Lebewesen (Seele) unterliegt im Kontakt mit der Materie, der sich sowohl in der eigenen materiellen fein- und grobstofflichen Verkörperung als auch in der Auseinandersetzung mit seiner materiellen Umwelt widerspiegelt, dem ständigen (materiellen) Kreislauf von Geburt, Krankheit, Verfall und Tod …

Während seines derart materiell ausgerichteten Lebens ist das Lebewesen ständig zum Erhalt seiner materiellen Verkörperung und seiner entsprechenden Lebensumstände verpflichtet, insbesondere zur Nahrungsaufnahme (Essen und Trinken), zum Ausruhen (Schlafen), zum Fortpflanzen (Paaren) und zum Kämpfen (Verteidigen). Wegen dieser Abhängigkeiten werden solche materiell ausgerichteten Lebewesen in den vedischen Überlieferungen auch als „bedingte Lebewesen“ bezeichnet. Das Bestreben, die Materie immer besser beherrschen zu wollen, um von all diesen mit Schmerzen und Leid verbundenen Anstrengungen zu entkommen, ist ein sinnloses Unterfangen, denn Materie unterliegt von Natur aus einem ständigen Wandel und ist daher nicht wirklich beherrschbar. Die Selbsttäuschung, Materie dennoch irgendwie beherrschen zu können, nennt man „Maya“ …

Wir Menschen sind in all unseren Inkarnationen „bedingte Lebewesen“ und können diese Bedingtheit nur dann überwinden, wenn wir uns von der Materie zielgerichtet und ganz bewusst lösen und uns wieder auf unsere eigentlich rein spirituelle Existenz besinnen. Auf diesem Wege sind gewisse Erkenntnisse über die wirkliche Natur der Materie sehr sinnvoll, so unter anderem über das Wesen der Zeit („Kala“):

„Das letzte Teilchen der materiellen Manifestation, das unteilbar und nicht zu einem Körper geformt ist, wird Atom genannt.“ (Srimad Bhagavatam, 3. Canto, 11. Kapitel)

  • 2 Atome bilden eine unsichtbares Doppelatom
  • 3 Doppelatome bilden ein Hexatom bzw. „trasarenu“; diese Hexatome bzw. „trasarenus“ sind im Lichte eines mit Gaze leicht abgedunkelten Fensters als aufsteigende materialsierte Teilchen sichtbar
  • 3 Hexatome („trasarenus“) benötigen 1/1687,5 Sekunden, um sich zu 18 Atomen (2x3x3 Atome) zu verbinden; diese Zeiteinheit wird „truti“ genannt
  • 100 „trutis“ entsprechen 1 „veda“
  • 3 „vedas“ entsprechen 1 „lava“
  • 3 „lavas“ entsprechen 1 „nimesa“
  • 3 „nimesas“ entsprechen 1 „ksana“
  • 5 „ksanas“ entsprechen 1 „kastha“
  • 15 „kasthas“ entsprechen 1 „laghu“
  • 15 „laghus“ entsprechen 1 „nadika“ bzw. „danda“
  • 2 „nadikas“ bzw. „dandas“ entsprechen 1 „muhurta“
  • 6 „nadikas“ bzw. „dandas“ entsprechen 1 „prahara“
  • 1 „prahara“ entspricht ¼ eines hellen Erden-Tages bzw. ¼ einer dunklen Erden-Nacht bzw. 3 Erden-Stunden bzw. 180 Erden-Minuten bzw. 10.800 Erden-Sekunden
  • 4 „praharas“ entsprechen 1 „yama“ bzw. ½ hellen Erden-Tag bzw. ½ dunklen Erden-Nacht bzw. 12 Erden-Stunden bzw. 720 Erden-Minuten bzw. 43.200 Erden-Sekunden
  • 15 ganze Erden-Tage, bestehend aus jeweils ½ hellen Erden-Tag und ½ dunklen Erden-Nacht, entsprechen ½ Erden-Monat bzw. 360 Erden-Stunden bzw. 21.600 Erden-Minuten bzw. 1.296.000 Erden-Sekunden
  • 15 ganze „weiße“ Erden-Tage und 15 ganze „schwarze“ Erden-Tage entsprechen zuammen 1 ganzen Erden-Monat bzw. 720 Erden-Stunden bzw. 43.200 Erden-Minuten bzw. 2.592.000 Erden-Sekunden
  • 1 ganzer Erden-Monat entspricht 1 ganzen Pita-Tag
  • 2 ganze Erden-Monate entsprechen 1 Erden-Jahreszeit *)
  • 6 ganze Erden-Monate entsprechen 1 vollständigen Sonnenlauf von Süden nach Norden
  • 2 Sonnenläufe entsprechen jeweils 1 vollständigen Tag und 1 vollständiger Nacht im Planetensystem der Halbgötter bzw. 1 ganzen irdischen Kalenderjahr
  • 1 vollständiges irdisches Kalenderjahr (12 Erden-Monate) entspricht damit 1 vollständigen Tag im Planeten-System der Halbgötter (also einem hellen Tag und einer dunklen Nacht)

*) Die nochmalige Einsichtnahme ins „Srimad Bhagavatam“ (3. Canto, 11. Kapitel, 11. Vers) ergab tatsächlich, dass nach vedischer Zeitrechnung 1 Erden-Jahreszeit lediglich aus 2 ganzen Erden-Monaten besteht, wonach die Veden 6 Erden-Jahreszeiten („rtus“) kennen – wir hingegen kennen heute nur 4 Jahreszeiten (Frühling, Sommer, Herbst und Winter). Die o.a. vedischen Zeiteinheiten beruhen auf astronomischen Berechnungen. So ist es noch interessant zu wissen, dass ein vedisches Erden-Jahr aus 3 x 4 Monaten bzw. aus 6 irdischen Jahreszeiten (insgesamt 360 Erden-Tage) besteht, und jedes 3. Erden-Jahr einen 13. Monat aufweist. Unsere „moderne“ Zeitrechnung (Gregorianischer Kalender) hingegen rechnet jährlich mit 365 Erden-Tagen sowie alle 4 Jahre mit einem zusätzlichen Schalttag, der dann auf den 29. Februar gelegt wird – das nächste Schaltjahr ist 2016 …

Zu den Lebeserwartungen der Menschen, der Halbgötter und der ihnen in der Schöpfung folgenden Lebewesen finden sich im „Srimad Bhagavatam“ ebenfalls genaue Aussagen:

  • 100 irdische Kalenderjahre entsprechen der (durchschnittlichen) Lebensdauer eines Menschen im Kali-Yuga (dauert insgesamt 432.000 Erden-Jahre)
  • 1.000 irdische Kalenderjahre entsprechen der (durchschnittlichen) Lebensdauer eines Menschen im Dvāpara-Yuga (dauert insgesamt 864.000 Erden-Jahre)
  • 10.000 irdische Kalenderjahre entsprechen der (durchschnittlichen) Lebensdauer eines Menschen im Tretā-Yuga (dauert insgesamt 1.296.000 Erden-Jahre)
  • 100.000 irdische Kalenderjahre entsprechen der (durchschnittlichen) Lebensdauer eines Menschen im Satya-Yuga (dauert insgesamt 1.728.000 Erden-Jahre)

Wir befinden uns gegenwärtig im Kali-Yuga, von dem erst ca. 5.000 Jahre vergangen sind. Ein gesamter Zyklus der 4 vedischen Zeitalter dauert 4.320.000 Jahre und beginnt dann von neuem. Die Lebensdauer des ersten von „Vishnu“ (eine Erscheinungsform von Krishna) geschaffenen materiell verkörperten Lebewesens und Halbgottes „Brahma“ errechnet sich folgendermaßen:

  • 1 Brahma-Tag = 1.000 Zeitalter-Zyklen = 4.320.000.000 Erden-Jahre
  • 1 Brahma-Jahr = 360 Brahma-Tage = 360.000 Zeitalter-Zyklen = 1.555.200.000.000 Erden-Jahre
  • 1 Brahma-Leben = 100 Brahma-Jahre = 36.000.000 Zeitalter-Zyklen = 155.520.000.000.000 Erden-Jahre

Brahma ist also auch körperlich sterblich, seine Seele jedoch nicht. Während der Lebensdauer Brahmas wird die kosmische Welt von zahlreichen „Manus“ regiert. Die vedischen Überlieferungen betrachten die Manus als die eigentlichen „Väter der Menschheit“. So gibt es aber auch noch Väter der verschiedenen Tiere, der Dämonen usw.. Die Lebzeiten der Manus sind auch begrenzt, wenngleich wesentlich länger als jene der Menschen:

  • 1 Brahma-Tag = 14 Manus
  • 1 Brahma-Jahr = 5.040 Manus
  • 1 Brahma-Leben = 504.000 Manus

Jeder Manu lebt demnach rechnerisch durchschnittlich 308.571.428,571.428.571 Erden-Jahre. In der Übersetzung und Erläuterung des „Srimad Bhagavatam“ (4. Canto, 30. Kapitel, 49. Vers) durch A.C.Prabhupada lebt ein Manu durchschnittlich 71 x 4.320.000 = 306.720.000 Erden-jahre, doch was macht dieser Unterschied im Vergleich zur menschlichen Lebensspanne noch aus ? Das gegenwärtige Zeitalter wird von Vaivasvata Manu regiert.

Mehr über die (vedischen) kosmischen Zeitrechnungen finden sich u.a. auch hier und hier, wobei darauf zu achten ist, dass die klassische (vedische) Zeitenberechnung von der modernen Zeitenrechnung nach Sri Yukteswar in ihren Ansätzen abweicht – das Ergebnis bleibt aber letztlich gleich.