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„Götter in Weiß“ – Ach wirklich ? (27.08.2016)

Eines gleich vorweg: Hinter dem Beitrags-Titel verbirgt sich nicht gleich Das, was man zunächst denkt ! Ich selber bin in einer Arztfamilie aufgewachsen und verwandtschaftlich auch von Ärzten und Schwestern in verschiedener Generationen umgeben, aber ich habe diesen Berufszweig schon ganz früh und ganz bewusst nicht gewählt – mich haben Maschinen immer mehr interessiert, auswendig lernen war meine Sache nie und während des Medizin-Studiums einmal auch durch die Pathologie gehen zu müssen, war für mich ein Albtraum. Worum also geht es dann … ?

Man könnte nach den nächsten Zeilen gleich fragen, ob ich mit meinem Beitrag nicht sogar gewisse persönliche Komplexe aufzuarbeiten oder mit der Ärzteschaft aus nachvollziehbaren Gründen abzurechnen versuche – aber auch dem ist nicht so. Das Thema hat mich in den letzten Wochen einfach nicht losgelassen, weil ich nach langer Zeit wieder mit vielen Ärzten in Verbindung kam, einige von ihnen meine Klienten waren, andere sich noch im Medizin-Studium befinden, ich bei einigen von ihnen einen gewissen Standesdünkel feststelle und auch noch dem Film „Patch Adams“ mit Robin Williams gesehen hatte. Ja, also worum geht es mir nun wirklich … ?

Gut 3-1/2 Jahre nach meinem 4-jährigen Studium zum Diplomingenieur wurde ich von einem Kollegen völlig unerwartet gefragt, ob ich nicht auch einmal eine außerplanmäßige Aspiratur (Doktorandum) aufnehmen möchte, was u.a. für Techniker ohnehin erst nach Abschluss einer Diplomarbeit möglich ist – der Rektor meiner ehemaligen Hochschule suchte einen Aspiranten für ein damals noch außergewöhnliches Thema. Ich nahm das Angebot an, schrieb nebenberuflich zu einem Thema, mit dem ich direkt kaum etwas zu tun hatte, meine Dissertation und erwarb im Sommer 1989 meinen Titel. Mein Vater war Arzt, bildete nebenher selber Studenten aus und merkte einmal an, dass die Mediziner es mit ihren Dissertationen leichter hätten, denn sie schrieben sie schon frühzeitig während ihres Studiums – das ist auch heute noch so. Sind Medizin-Studenten etwa intelligenter als bereits höher qualifizierte Techniker oder gab es dafür andere Gründe ? Was macht einen Arzt scheinbar besser als einen „Normalbürger“, auch wenn dieser eine hohe Qualifikation aufweisen kann ? Dieser Frage wollte ich jetzt einmal nachgehen, und bald schon bekam ich dazu die ersten Anhaltspunkte …

Der bereits o.g. Film mit Robin Williams schien eine erste Erklärung dafür zu geben, nämlich die in der Ausbildung vermittelte oder die von den Protagonisten selber angeeignete Sichtweise, dass alle Menschen von den Ärzten einmal abhängig seien und man daher eine höhere (gesellschaftliche) Verantwortung als die Durchschnittsbevölkerung trage. Teilweise mögen auch persönliche Dünkel hinzukommen, dass man mit einer umfassenderen Ausbildung ja auch „intelligenter“ als andere Menschen sei – aber das kommt auch in anderen Berufsgruppen vor. Doch können uns Ärzte wirklich vor einer Erkrankung, Schmerz, Leid, Verfall und Tod bewahren –  sind sie wirklich derart Gott-gleich ? Ganz sicher nicht, und das wissen sie selber auch. Gewisse Dünkel oder sogar Überheblichkeit können bekanntlich dazu dienen, die (zumindest unterschwellig erkannte) eigene Unvollkommenheit und die bestehenden inneren Zweifel zu kaschieren – und das ist doch irgendwie nachvollziehbar und auch menschlich. In sofern sollte man solchen Menschen einfach gelassen gegenüber treten und Mitgefühl für auch deren Verletzlichkeit aufbringen …

Damit war ich selber aber noch  nicht am Ende, denn es ging hier um Gott-Gleichheit: Was glauben wir eigentlich über Gott oder wissen wir bereits über ihn ? Zumindest akzeptieren wir doch die Aussage, dass der Mensch Gott-gleich erschaffen worden sein soll – nicht wahr ? Demnach müsste der Mensch doch auch göttliche Fähigkeiten in sich tragen, die insbesondere Allwissenheit, Allmächtigkeit und Allmöglichkeit implizieren ? Ja, und ist das auch wirklich so ? Können wir tatsächlich mit einer einzigen Handbewegung Berge versetzen, d.h. ohne aufwändige technisch-technologische Vorbereitungen ? Können wir Alter, Krankheit, Verfall und Tod wirklich verhindern ? Können wir mit einem Wimpernschlag die Welt, wie unvollkommen sie ist, wieder völlig in Ordnung bringen, ohne unsere Mitmenschen auf andere Weise erneut zu benachteiligen ? Ja, was wissen und können wir denn wirklich … ?

Wenn man nur einmal Menschen mit einem etwa gleichen Bildungsniveau vergleicht, wie z.B. Ärzte mit Ingenieuren, was macht hier den Unterschied dann noch aus ? Ganz einfach: Ärzte erschaffen nichts Neues, sondern sind für die Erhaltung etwas Bestehenden zuständig, und zwar auch immer nur in Bezug auf einzelne Personen, auch bei „Kunstfehlern“.  Darüber hinaus hat kein Arzt jemals ein neues Lebewesen kreiert und wird es auch niemals können – das ist ausschließlich Gottes Werk. Ein Ingenieur hingegen erschafft immer etwas Neues, was zuvor niemals dagewesen ist, d.h. er „spielt“ Gott, und seine „Schöpfungen“ betreffen zumeist sogar viele Menschen zugleich. Bei „Kunstfehlern“ kann das sogar verheerende Folgen haben, denn sein begrenztes Wissen schränkt ihn derart ein, dass seine Kreationen niemals so (göttlich) vollkommen sein können, dass sie sich harmonisch ins natürliche Leben einpassen können, ihre „Geschöpfe“ sind niemals selbst-heilend und auch nur eingeschränkt „intelligent“ …

Der Eine also ist „Vishnu“-gleich der Erhalter (Arzt) und der Andere ist „Brahma“-gleich der Schöpfer (Ingenieur). Die Menschen, die alles wieder zerstören und recyceln, damit daraus etwas Neues entstehen kann, sind „Shiva“-gleich – so einfach kann man die Sache also auch betrachten. Im Fazit nun ist JEDER Mensch in seinen drei Haupt-Aspekten Gott-gleich bzw. Gott-ähnlich, nicht aber Gott (der Schöpfer) selbst. Es ist daher also dümmlich, sich vor gewissen Berufsständen niederzuwerfen oder von diesen Ständen heraus auf andere herabzuschauen – insbesondere in Notlagen. Ansonsten nämlich kann man auch einen Kniefall vor einem Kfz-Mechaniker machen, wenn er mal das eigene Auto repariert – Ärzte machen im Prinzip nichts Anderes.  Oder man himmelt Architekten an, die uns schöne Häuser entwerfen, oder Bäcker, die besonders schmackhafte Brote und Torten herstellen, oder freundliche Gastro-Servicekräfte, die unsere schlechte Laune immer wieder zu vertreiben verstehen – man kann diese Reihe unendlich fortsetzen …

Und worum ging’s mir mit meinem Beitrag nun wirklich ? Ganz einfach: Findet Eure besonderen Veranlagungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten wieder und lebt sie ganz bewusst aus, ohne Eure Mitmenschen zu belästigen oder sogar zu benachteiligen, denn sowohl Ihr selber als auch die Anderen sind etwas ganz Besonderes ! Ihr Alle seid Gott-gleich in den verschiedensten Aspekten – von dem einen mal mehr und dafür von dem anderen mal weniger – insgesamt aber immer perfekt, so wie Ihr seid ! Wenn Ihr das wieder erkennt, erkennt Ihr Euch gegenseitig an, werdet wieder friedfertiger und gelassener. Und außerdem fließt in Euch selber wieder die Energie ungehindert durch, die Eure Körper an diesem Leben lange gesund erhält – das Prana bzw. Chi bzw. Ki oder wie auch immer Ihr sie nennt. „Götter in Weiß“ jedoch gibt es nicht wirklich …