Ayurveda – Die materiellen Elemente des Universums (06.02.2015)

Ähnlich wie in der westlichen Medizin unterteilt man auch im altindischen Ayurveda den menschlichen Körper in verschiedene Körperteile, Organe, Gefäße, Gewebe und Zellen. Hier gibt es darüber hinaus noch unsichtbare Energiebahnen (Nadis), -knoten (Marmas) und -zentren (Chakras). Darauf jedoch soll an anderer Stelle tiefgründiger eingegangen werden. Während dessen die westliche Medizin ihre wissenschaftlichen Grundlagen in biochemischen und biophysikalischen Prozessen sieht, greift Ayurveda auf die Betrachtung energetischer Prozesse zurück …

Der Energie-Begriff ist uns aus dem Physik-Unterricht recht gut bekannt und wird zumeist in technisch-mathematischen Zusammenhängen gebraucht. Hiermit tun sich viele Mediziner allerdings recht schwer, Mechaniker und Ingenieure hingegen nicht. Es muss ja auch nicht jeder Mensch Schlosser oder Elektriker werden, um zu Hause seine Heizungs- oder Elektroanlage selber in Ordnung bringen zu können. Tatsächlich jedoch fällt es Menschen mit einem technischen Grundverständnis leichter, sich in die fernöstliche Elemente-Lehre hineinzufinden, als vielen westlichen Medizinern. Noch anspruchsvoller wird es, wenn man den Dingen hinter den Dingen auf den Grund gehen möchte, wie z.B. der Frage nachgehen, woraus denn all das besteht und wie es überhaupt entstanden ist, was uns so umgibt …

Im Ayurveda spricht man allgemein von den 5 Elementen „Äther“, „Feuer“, „Luft“, „Wasser“ und „Erde“, aus denen der menschliche Körper und die Natur überhaupt bestehen. Darüber hinaus werden 3 energetische Prinzipien („Doshas“), die sich aus dem Zusammenwirken der 5 Elemente ergeben, genannt: „Vata“ (Äther + Luft = Prinzip der Bewegung), „Pitta“ (Feuer = Prinzip der Umwandlung) und „Kapha“ (Wasser + Erde = Prinzip der Strukturgebung und Manifestation). Es steht allerdings die Frage, wann und warum die genannten 5 Elemente miteinander zusammenwirken, um sich als Doshas zu zeigen – und überhaupt …

Sich mit den 5 Elementen und 3 Doshas etwas näher zu befassen, genügt es, die einschlägige Ayurveda-Literatur zu studieren. Aber alleine schon die genannten Elemente selbst müssen ja auch irgendwo herkommen, und diesbezügliche Informationen findet man erst im tiefgründigeren Studium vedischer Überlieferungen, wie z.B. des „Srimad Bhagavatam“. Hier wird der Entstehungs- und Manifestations-Prozess unseres gesamten Universums ausführlich erläutert, und das soll im Folgenden kurz umrissen werden:

Der Schöpfer von allem was ist, den wir allgemein „Gott“ und die Hindus „Krishna“ bzw. „Vishnu“ nennen, ist ein rein spirituelles Lebewesen mit einem rein spirituellen Körper, der daher mit unseren materiellen bzw. biologischen Sinnesorganen nicht wahrgenommen werden kann, jedoch auf transzendentalem (spirituellem) Wege. Seine persönliche Erscheinung ist im Grunde genommen genau so real wie die einer jeden anderen menschlichen Persönlichkeit, die sich hier in unserer Welt zeigt und durch ihre Handlungen ausdrückt. Die Menschen bezeichnet man nicht von Ungefähr als „in Gottes Ebenbild“ erschaffen. Gleichartigkeit bzw. Ähnlichkeit bedeuten jedoch noch nicht, Gott jemals absolut gleich oder ebenbürtig zu sein – er ist nun einmal das all-umfassendste, all-wissende und all-mächtigste Lebewesen überhaupt. Wegen seiner spirituellen Verkörperung ist er mit unseren Augen nicht sichtbar, anhand der Wirkungen und Ergebnisse seiner Handlungen dennoch erkennbar.

So wie wir Menschen und alle anderen Lebewesen auch, so atmet selbst Gott ein und aus, wenngleich in weitaus größeren Zyklen. Darüber hinaus strahlt er wie alle Lebewesen Energien ins Umfeld aus, die als „marginale Energien“, „Brahman“ oder „Mahat-tattva“ bezeichnet werden. Von diesen marginalen bzw. abgesonderten Energien gibt es zwei Arten, nämlich die spirituellen und die materiellen. Die spirituellen Energien kennen wir auch als „göttliche Funken“, „individuelle Seelen“, das „individuelle Selbst“ oder „Jiva“ – Gott selbst ist die „Überseele“, das „höchste Selbst“ bzw. „Paramatma“. Um hier gleich Missverständnissen vorzubeugen und die Unterschiede zu anderen Philosophien sowie Religionen aufzuzeigen: Sowohl die Überseele als auch die individuellen Seelen sind und bleiben stets jeder für sich individuell und einzigartig, d.h. dass nach dem irdischen Tod kein Lebewesen als individuelle Seele jemals mit Gott als Überseele verschmilzt – sie bleiben immer (!) individuell und einzigartig – das ist die gute Nachricht …

Die marginale materielle Energie befindet sich zunächst in einem unmanifestierten (ungebundenen, ungeordneten) Zustand, der als „Pradhana“ bezeichnet wird. Nimmt diese materielle Energie einmal Form an, wird sie als „Prakriti“ bezeichnet. Diese Manifestation (Bindung, Ordnung) setzt nach den vedischen Überlieferungen ein, „wenn Gott seinen Blick über das Mahat-tattva schweifen lässt“. Man kann diese Aussage so verstehen, als dass Gott (auf spirituellem Wege) irgend eine Idee oder Vorstellung hervorbringt bzw. entwickelt, die sich in seinem Außen in materialisierter bzw. manifestierter Form widerspiegelt. In ähnlicher Weise verhält es sich mit unseren eigenen Ideen, Vorstellungen und Wünschen. Genau dieser Prozess also setzt die bis dahin unmanifestierte marginale Energie in Erregung, die dann die verschiedensten fein- und grobstofflichen Zustände und Formen annimmt. In den Veden wird dieser Prozess zuweilen auch als (spirituelle) „Befruchtung“ bezeichnet.

Bevor die aus der marginalen materiellen Energie manifestierten Elemente einmal aufgezählt werden, muss ich noch auf zwei wichtige Faktoren hinweisen, ohne die solche und andere Prozesse überhaupt nicht möglich wären, nämlich die sogenannten „Erscheinungsweisen der materiellen Natur“, die man in der ayurvedischen Psychologie auch als „Gunas“ kennt, und noch die „Zeit“ (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft). Die Erscheinungsweisen der materiellen Natur sind die „Unbewusstheit“ („Tamas“), die „Leidenschaft“ („Rajas“) und die Bewusstheit bzw. „Tugend“ („Sattva“):

Die Unbewusstheit ist die Ursache dafür, dass sich die Lebewesen – insbesondere die Menschen – mit ihrem Körper identifizieren, obgleich sie nicht der Körper selbst sind, sondern einen Körper haben. Sie selbst nämlich sind immer noch unsterbliche spirituelle individuellen Seelen, die in ihrer unbewussten Identifikation etwas zu erhalten trachten, was naturgegeben ständigen Veränderungen unterworfen ist – die eigene Verkörperung und alle Materie um uns herum.
Die Leidenschaft ist die Triebkraft, die eigenen Lebensumstände durch eine ständige Einflussnahme auf die uns umgebende Materie zu verbessern und unsere Sinne zu befriedigen, aber auch die Triebkraft, uns selbst zu verwirklichen, d.h. zu erproben und erfahren, zu welchen geistigen und körperlichen Leistungen wir fähig sind.
Die Bewusstheit bzw. Tugend ist die Phase, in der wir die vorangegangene Entwicklung bereits durchlaufen und letztlich erkannt haben, wer wir selbst wirklich sind und in welcher Stellung wir zum universellen Schöpfer (Gott) überhaupt stehen. Wir befinden uns jedoch noch in einem materiellen Körper, der uns zuweilen wieder in die Leidenschaft oder sogar Unbewusstheit herunterreissen kann.
Die Zeit letztendlich ist das Bindeglied zwischen den drei Erscheinungsweisen der Natur. Gäbe es die Zeit nicht, fielen alle Prozesse auf den gleichen Zeitpunkt, den man auch als Ewigkeit betrachten kann … punktum …

Kommen wir nun zu den Elementen, aus denen unser Universum besteht. Der Leser wird erstaunt sein, dass es nicht nur 5 Elemente sind, sondern sogar 24:

Die 5 grobstofflichen Elemente
Äther (Raum), Feuer, Luft, Wasser und Erde
Die 5 feinstofflichen Elemente
Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Tasten
Die 5 grobstofflichen Sinnesorgane
Ohren, Augen, Nase, Zunge, Haut
Die 5 grobstofflichen Handlungsorgane
Mund (Artikulieren), Hände (Umwandeln), Beine (Fortbewegen), Sexualorgane (Fortpflanzen), Ausscheidungsorgane (Entsorgen)
Die 4 inneren feinstofflichen Sinne
Geist, Intelligenz, Ego, verunreinigtes (materiell ausgerichtetes) Bewusstsein

Nun mag die Frage aufkommen, ob sich beispielsweise die o.a. feinstofflichen Elemente und Sinne sowie die grobstofflichen Sinnes- und Handlungsorgane auch in „toten“ Gegenständen wiederfinden ? Um die korrekte Antwort darauf zu finden, muss man zunächst einmal schauen, ob diese Gegenstände von sich aus zu irgendwelchen Handlungen im Sinne der o.a. 3 Erscheinungsweisen der Natur (Gunas) fähig sind oder ob sich im Ergebnis von Prozessen der Schluss ziehen lässt, dass diese Gegenstände tatsächlich ein eigenes Bewusstsein als Merkmal für das Vorhandensein einer eigenen Seele zeigen. Bei den uns bekannten Lebewesen (Menschen, Tiere und Pflanzen) ist das offensichtlich, bei Bergen und Tälern, Flüssen und Seen wäre es zu vermuten, bei den für uns unsichtbaren Lebewesen (Halbgötter, Dämonen usw.) kann man mit Sicherheit schon davon ausgehen …

Man muss aber auch nicht etwas herbei deuten, was nicht oder recht unwahrscheinlich ist, wie z.B. das Vorhandensein von feinstofflichen Elementen und Sinnen in von Menschen geschaffenen Gebrauchsgegenständen. Der Mensch ist nicht „Frankenstein“ und schon gar nicht Gott, wenngleich zahlreiche unsägliche Versuche sogenannter (materialistischer) „Wissenschaftler“ über das Erschaffen von „Klonen“ und „Künstlicher Intelligenz“ das immer wieder versuchen – der wahre Schöpfer kommt darüber aus dem Lachen nicht heraus und wischt derartige Versuche regelmäßig vom Tisch – schauen Sie einmal etwas genauer hin …