Archiv des Autors: dr.listemann

Seelen-Wanderung (25.04.2017)

Bereits an diversen anderen Stellen hatte ich darauf hingewiesen, dass jede Heilkunde insofern unvollkommen ist, als dass sie zwar körperliche und geistige Leiden vorübergehend zu lindern oder zu beseitigen vermag, das irdische Lebensende jedoch niemals verhindern kann. Diese Erkenntnis erscheint den meisten Menschen in der (atheistisch und materialistisch ausgerichteten) westlichen Welt derart bitter, dass alle damit verbundenen Themen während der gesamten irdischen Lebenszeit vehement ausgeblendet werden …

Die fernöstlichen Heilkunden hingegen, deren Ursprung wohl allesamt in den uralten vedischen Überlieferungen zu finden ist, betrachten den Sinn und die Zeit des irdischen Lebens völlig anders – und das trifft auch für solche Religionen zu, wie das Judentum, das Christentum sowie den Islam, wenn sie nicht durch Missverständnisse, Irrtümer oder sogar Vorsatz verunreinigt sind. In den vedischen Überlieferungen wird also recht detailliert beschrieben, wie die Seele eines inkarnierten (materiell verkörperten) Lebewesens durch die Zeiten und Welten immer wieder wandert, so lange sie materiell angehaftet und dadurch den Bedingungen der materiellen Welt unterworfen ist (Srimad Bhagavatam, 10. Canto, 1. Kapitel, 38.-43. Vers):

„… wer geboren wird, wird mit Sicherheit sterben, denn mit dem Körper wird auch der Tod geboren. Man mag heute oder nach Hunder­ten von Jahren sterben, doch der Tod ist jedem Lebewesen sicher.“

„Wenn sich der gegenwärtige Körper in Staub verwandelt und wieder in die fünf Elemente zerfällt, nämlich in Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther, erhält der Eigentümer des Körpers, das Lebewesen, entsprechend seinen fruchtbringenden Handlungen automatisch einen neuen, aus materiellen Elementen bestehenden Körper. Wenn das Lebewesen einen weiteren Kör­per bekommt, gibt es den gegenwärtigen auf.“

„Genau wie ein Wanderer erst einen Fuß auf den Boden setzt und dann den anderen hebt oder wie ein Wurm auf einer Pflanze ein Blatt erst dann verläßt, wenn er sich auf das nächste vorgetastet hat, so sucht die bedingte Seele in einem neuen Körper Zuflucht und gibt dann den alten auf.“

„Wenn man eine Situation mit eigenen Augen erlebt oder davon gehört hat, sinnt man darüber nach und stellt Mutmaßungen an, und während man so in diesem Gedanken aufgeht, denkt man nicht mehr an seinen gegenwär­tigen Körper. ln ähnlicher Weise bewirken gewisse Vorgänge im Geist, daß man nachts im Traum seine tatsächliche Stellung vergißt und glaubt, an einem anderen Ort in einem anderen Körper zu leben. Ebenso verhält es sich auch, wenn man seinen gegenwärtigen Körper aufgibt und einen neuen annimmt … .“

„Je nachdem, was der Geist, der in fruchtbringende Handlungen verstrickt ist, zur Zeit des Todes denkt, fühlt und wünscht, erhält man einen bestimm­ten Körper. Mit anderen Worten: Der Körper entwickelt sich entsprechend den Tätigkeiten des Geistes. Wechsel des Körpers sind auf die Unstetigkeit des Geistes zurückzuführen, denn wäre der Geist nicht so flackerhaft, könnte die Seele in ihrem ursprünglichen, spirituellen Körper bleiben.“

„Wenn sich die leuchtenden Himmelskörper, wie der Mond, die Sonne und die Sterne, in Flüssigkeiten wie Öl oder Wasser spiegeln, scheinen sie aufgrund der vom Wind bewegten Spiegelbilder verschiedene Formen zu haben – das heißt, manchmal sehen sie rund aus, manchmal länglich usw. ln ähnlicher Weise hält das Lebewesen, die Seele, verschiedene Manifesta­tionen aus Unwissenheit für seine eigene Identität, weil es in materialisti­sche Gedanken vertieft ist. Mit anderen Worten: Die Erfindungen des Gei­stes verwirren uns, da wir von den materiellen Erscheinungsweisen der Na­tur in Erregung versetzt werden.“

Stammbaum der Menschheit (10.04.2017)

Ich hatte mich bereits schon einmal in einem Beitrag mit dem vedischen Stammbaum der Schöpfung beschäftigt, aus dem hervorging, welche Wesenheiten neben uns Menschen das Universum ebenfalls beleben. Und nun geht es mir darum, einmal aufzuzeigen, dass die (heutigen) Menschen selber auf eine außerordentlich lange Ahnenlinie, deren Stammvater jeweils ein „Manu“ ist, zurückblicken können …

Doch wieso eigentlich „jeweils ein Manu“ ? Die Schöpfung selbst ist ein stetig wiederkehrender Prozess, der einen Anfang und ein Ende sowie einen begrenzten Zeitraum dazwischen hat, und nach dieser abgeschlossenen Periode beginnt ein neuer Schöpfungs-Prozess. Während einer Schöpfungs-Periode sorgt ein Manu als „Stammvater“ dafür, dass sich spirituell fortgeschrittene Lebewesen (Seelen) als Menschen verkörpern und das Universum bevölkern. Je nach Entwicklungsstand dieser einzelnen Seelen, den sie über unendlich viele vorangegangene Leben (Inkarnationen) erreicht bzw. erworben haben, übernehmen diese mehr oder weniger verantwortungsvolle Aufgaben (Bestimmungen, Schicksale) in der Gesellschaft, in die sie jeweils eintreten. Daraus ergeben sich u.a die Besiedelung höherer, mittlerer und niederer Planetensysteme (Existenzebenen, Universen), eine sehr unterschiedliche Lebensdauer, mehr oder weniger große Einfluss- und Machtbereiche sowie noch diverse andere Lebensumstände  mehr …

Warum ist das Wissen um diese Dinge von Bedeutung ? Die westlichen Gesellschaften sind sehr atheistisch und materialistsch aufgestellt, was zur Folge hat, dass das Wissen um das eigentlich spirituelle und zugleich unsterbliche Wesen eines jeden Menschen nahezu in Vergessenheit geraten ist. Die Menschen identifizieren sich mehr mit ihrer materiellen und zugleich vergänglichen Verkörperung, die sie jedoch nicht ist. Und das wiederum hat zu Folge, das Leben überhaupt als nur zeitweilig zu sehen und „die Zeit danach“ zu verdrängen bzw. sogar zu fürchten. Man lebt also in einer (scheinbar) begrenzten Zeit des Geniessens sehr materialistisch ausgerichteter Lebensumstände, die im Kampf um ewige Jugend, Schönheit, Leistungsfähigkeit und großen Wohlstand ihren Höhepunkt sucht …

Das Leben überhaupt verläuft jedoch nicht wirklich derart glücksverheißend, und die bittere Erkenntnis darum führt zu noch höheren Anstrengungen, das scheinbare Glück dennoch zu erlangen bzw. möglichst lange zu erhalten oder zu Resignation, Lebensverdruss, Depressionen u.a.m.. Zu alledem gibt es allerdings überhaupt keinen Grund, vielmehr dazu, den eigentlichen Sinn des Lebens im Allgemeinen und sein individuelles Leben im Speziellen näher zu ergründen …

Hier nun erst einmal der Stammbaum der Menschheit, in dem man u.a. auch die Persönlichkeiten wiederfindet, die die Geschicke der menschlichen Gesellschaft ganz besonders mitprägten. Und wenn Sie ganz aufmerksam sind, finden Sie unter den „Nachkommen von Pururava“ auch den eigentlichen Begründer des AYURVEDA, nämlich „Dhanvantari“:

SB-Neunter-Canto-Ahnentafel.pdf
SB-Neunter-Canto-Glossar.pdf

Quelle:
Srimad-Bhagavatam (in der Fassung von Srila Prabhupada), Neunter Canto

Ärger – wie geht man damit um (21.12.2016)

Ein aktuelles Ereignis hat mich veranlasst, einmal über das Thema „Ärger“ zu schreiben. Was war geschehen ? Ich war beim Abschluss einer technischen Serviceleistung für einen gemeinsamen Kunden, wobei es zu recht merkwürdigen Mißverständnissen mit einem Mitarbeiter der Firma kam, die meine zwischenzeitlich angeforderten Leistungen benötigten, weil sie selber seit einigen Tagen mit ihrem Support nicht vorangekommen waren. Der betreffende Mitarbeiter also war über die Vorleistungen eines seiner Kollegen ganz offensichtlich nicht im Bilde und ich bat nun einen Freund, der seit wenigen Jahren für diese Firma im Vertrieb tätig ist und mich schon einmal wegen gleichartiger Serviceleistungen an den gemeinsamen Kunden vermittelt hat, um eine persönliche Unterstützung. Für mich völlig unerwartet und nicht mehr nachvollziehbar wurde von meinem Freund diese alleinige Bitte als Einmischung in die inneren Angelegenheiten seiner Firma gewertet …

Die Umstände und der Inhalt der Missverständnisse sind von ihm er erst gar nicht zur Kenntnis genommen worden, was bei mir den Eindruck erweckte, dass mein Freund von der absoluten Unfehlbarkeit seiner Firma, in der er erst wenige Jahre beschäftigt ist, völlig überzeugt ist. Diese Voreingenommenheit und die recht drastische Zurückweisung meines Anliegens sprachen sowohl für eine klare Wahrnehmungsstörung das tatsächlichen Sachverhaltes als auch dafür, dass sich hier Jemand gerade auf einer niedrigen Bewusstseinsstufe bewegte, nämlich in der Leidenschaft („Rajas“-Guna) und der Unbewusstheit („Tamas“-Guna) – ich hatte meinen Freund jedoch schon weitaus „fortgeschrittener“ erlebt …

Tatsächlich jedoch war das kein Einzelfall, denn gerade in den letzten Jahren kam es immer wieder einmal vor, dass andere „spirituell fortgeschrittene“ Freunde ähnliche „Aussetzer“ hatten, d.h. in Stress-Situationen größere Wahrnehmungsstörungen zeigten, die Geduld verloren und mental aggressiv reagierten. Daran könnte eine langjährige Freundschaft zugrunde gehen, aber „Blut ist nun einmal dicker als Wasser“ und wenn man sich in der (ayur-) vedischen Psychologie schon ein wenig auskennt, bewertet man diese Situationen völlig anders. In unserer Praxis begleiten wir überwiegend Menschen, die in einen Burnout geraten sind, und das sind insbesondere Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen (Ärzte und Schwestern), Schulwesen  (Pädagogen im Lehramt und in der Verwaltung) sowie Außendienst-Mitarbeiter in verschiedenen Branchen. Stress und Ärger gehören hier leider zum beruflichen Alltag, und dort nach einer Auszeit oder auch Behandlung wieder hineinzugeraten, sind für die betroffenen Horror-Vorstellungen – zumeist tragen sie sich bereits mit dem Gedanken an einen beruflichen Ausstieg …

Das alleine jedoch ist nicht gerade die Lösung erster Wahl, es ist eher eine Flucht vor gewissen Lebenssituationen, anstatt diese zu verstehen und mit ihnen künftig ganz bewusst umgehen zu lernen. Wie also kommt es dazu, dass man in solche Situationen überhaupt hineingelangt ? Dazu müssen wir uns erst einmal darüber im Klaren werden, wer wir selber wirklich sind und was wir hier (auf der Erde oder in unserem Leben) wirklich tun:

Zunächst folgende Frage: Wenn Sie im Auto sitzen und damit durch die Gegend fahren, empfinden Sie sich selber schon als dieses Auto ? Oder sind Sie sich immer noch darüber bewusst, dass Sie selber der Fahrer, Halter und eventuell sogar Erbauer dieses Autos sind, das Auto selber jedoch nicht ? Soweit Sie diese Dinge noch völlig auseinander halten können, soweit bieten Sie noch die Voraussetzung für die nächste Erkenntnis, nämlich dass Sie selber auch nicht Ihr Körper und auch nicht die Energien sind, die Ihren Körper durchfluten ! Körper, Geist und Seele – letztere nämlich sind Sie selber – bilden eine Trinität, die nur in einer materiellen Welt besteht, nicht jedoch in einer rein geistigen (spirituellen). Ihre Seele ist rein spiritueller Natur, Ihr Geist jedoch von materiell-feinstofflicher und Ihr Körper von materiell-grobstofflicher Natur …

Wir alle wissen aus unendlich vielen Lebenserfahrungen, dass sich materielle Dinge niemals von sich aus verändern oder bewegen: Beispielsweise wird das Auto von uns selber bewegt, wenn wir es denn wollen, oder überhaupt erst einmal entwickelt und gebaut, so wie wir es wollen – nur der Geist bewegt die Materie, und der Geist wird von unserer Intelligenz und unserem Ego (unserem Selbstverständnis) gesteuert und kontrolliert. Alle diesbezüglichen Informationen, d.h. das, was war, was ist und was sein wird, sind in unserer Seele gebunden, in unserem rein spirituellen Kristall, der wir selber sind – wir sind jedoch nicht das uns in diesem Leben begleitende Ego, nicht die gegenwärtige Intelligenz, nicht die Energien, die unseren Körper bewegen, und insbesondere nicht dieser schwere Körper selber – vergessen Sie das bitte nicht … !

So lange wir allerdings über einen (materiellen) Körper verfügen, mit dem wir hier durch das irdische (oder andere) Leben gehen, so lange sind wir auch an materielle Bedingungen gebunden – wir sind sozusagen noch materiell unfreie und daher „bedingte Seelen“. Bei spirituell bereits etwas fortgeschrittenen Menschen, sehr oberflächlich auch mal als „Esoteriker“ bezeichnet“, ist die Trinität von Körper, Geist und Seele bereits bekannt, aber sie wird nicht bewusst gelebt, d.h. sie lehnen beispielsweise das Arbeiten (genauer gesagt eine „Erwerbstätigkeit“) ab, weil sie mit Materie nichts mehr zu tun haben wollen. Das führt in unserer Gesellschaft aber dazu, dass sie wirtschaftlich auf der Strecke bleiben und über „zu wenig Geld“ für den eigenen Lebenserhalt jammern – ein nicht gerade intelligentes Verhalten …

Diejenigen aber, die für ihren Lebensunterhalt mit bestimmten Zielsetzungen und mit Engagement intensiv sorgen, sind in Wirklichkeit noch schlimmer dran, denn sie merken nicht, wie sie bei der ständigen Auseinandersetzung mit materiellen Erscheinungsformen (Dinge, Vorgänge usw.) einen Kampf um’s (materielle) Dasein führen, den sie niemals gewinnen können. Wie ist das zu verstehen ? Diese Menschen, zu denen leider auch welche gehören, die ihre mühsam erworbenen spirituellen Erkenntnisse zu Gunsten eines besseren materiellen Lebensstandards in die hinterste Schublade gelegt haben, verstricken sich in all ihre Entscheidungen und Handlungen derart, dass sie nur noch darum bemüht sind, die Kontrolle über ihre materialistischen Konstrukte nicht mehr zu verlieren. Genau das führt zu übermäßigen geistigen und körperlichen Energieverlusten, zu Stress und zu Ärger. Mehr noch: Die Konzentration auf materielle Dinge und Prozesse, um diese noch im Griff behalten zu können, führt zur Abweisung sowohl tangierender als erst recht auch breit übergreifender Vorgänge, d.h. zum Verlust des allgemeinen Überblicks, zu Wahrnehmungsstörungen, zu Fehlinterpretationen und verfehlten Handlungen …

Jeder Mensch reagiert zwar anders, weil er über andere fein- und grobstoffliche körperliche Voraussetzungen („Doshas“ = Konstitutionen) und einen unterschiedlichen geistig-spirituellen Erkenntnisstand („Gunas“) verfügt, aber das Grundprinzip ist letztlich das Gleiche: Unbewusstheit („Tamas“) und Leidenschaft („Rajas“) führen sowohl den Protagonisten selber als auch allen Mitbeteiligten unnötiges und damit auch vermeidbares Leid zu. Und wie sind nun die eingangs geschilderten Fälle aus (ayur-) vedischer Sicht zu bewerten … ?

Mein Freund hatte vor einigen Jahren seine langjährige Selbständigkeit aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben und sich sehr engagiert und auch erfolgreich im Vertrieb eines größeres Unternehmens eingebracht. Seit dem allerdings beobachtete ich bei ihm eine schleichende Wesensveränderung – er war härter, kritikvoller, unnachgiebiger usw. mit einer gewissen Latenz zur Rücksichtslosigkeit geworden, kann oder will das jedoch nicht erkennen. Er ist ein sehr sportlicher Tridosha-Typ mit schätzungsweise 40 % Pitta-, 30 % Vata- und 30 % Kapha-Anteil. Wenn sich Pitta-Konstitutionen in Leidenschaft („Rajas“) und Unbewusstheit („Tamas“) befinden, reagieren sie in unliebsamen Situationen genau so, wie ich es beschrieben habe. Das übermäßige engagierte Einbringen in materialistische Tätigkeiten geht immer zu Lasten des eigenen spirituellen Fortschritts, was sich in einer negativen Wesensveränderung widerspiegelt. Wenngleich ich das genau so immer wieder bei verschiedenen Menschen beobachtet habe, ist das bereits in den uralten (ayur-) vedischen Überlieferungen auch genau so beschrieben worden, also ein altbekanntes Phänomen in der menschlichen Entwicklung …

Das Selbst hat es immer am schwersten, sich von selbst zu erkennen, und daher sind hierfür Freunde die geeignetsten „Sparringpartner“. Man kann an deren Reaktionen erkennen, wo man selber gerade steht, ob nun über das gesprochene Wort oder über das künftige Verhalten. Ist also Ärger wirklich begründet oder nur eigenes Kopfkino ? Nein – eine ärgerliche Situation kann recht gut dazu beitragen, den geistig-spirituellen Entwicklungsstand aller Beteiligten besser zu erkennen und weiterzuentwickeln – so sie es dann auch wirklich wollen. Und was ist mit mir selbst ? Ich muss leider zugeben, dass auch ich manchmal noch in niedrigere Verhaltensweisen abrutsche – wir sind alle nur Menschen …

Nachtrag: Zum obigen Thema habe ich noch eine besondere Seite vorbereitet, die sich mit den Wechselwirkungen zwischen unserem Bewusstseinsstand („Gunas“) und unseren Konstitutionen („Doshas“) befasst. Das könnte für uns selber sowie auch für den Umgang mit unserer Familie, unseren Freunden, unseren Kollegen oder Geschäftspartnern sehr aufschlussreich sein – mehr dazu also hier …

„Götter in Weiß“ – Ach wirklich ? (27.08.2016)

Eines gleich vorweg: Hinter dem Beitrags-Titel verbirgt sich nicht gleich Das, was man zunächst denkt ! Ich selber bin in einer Arztfamilie aufgewachsen und verwandtschaftlich auch von Ärzten und Schwestern in verschiedener Generationen umgeben, aber ich habe diesen Berufszweig schon ganz früh und ganz bewusst nicht gewählt – mich haben Maschinen immer mehr interessiert, auswendig lernen war meine Sache nie und während des Medizin-Studiums einmal auch durch die Pathologie gehen zu müssen, war für mich ein Albtraum. Worum also geht es dann … ?

Man könnte nach den nächsten Zeilen gleich fragen, ob ich mit meinem Beitrag nicht sogar gewisse persönliche Komplexe aufzuarbeiten oder mit der Ärzteschaft aus nachvollziehbaren Gründen abzurechnen versuche – aber auch dem ist nicht so. Das Thema hat mich in den letzten Wochen einfach nicht losgelassen, weil ich nach langer Zeit wieder mit vielen Ärzten in Verbindung kam, einige von ihnen meine Klienten waren, andere sich noch im Medizin-Studium befinden, ich bei einigen von ihnen einen gewissen Standesdünkel feststelle und auch noch dem Film „Patch Adams“ mit Robin Williams gesehen hatte. Ja, also worum geht es mir nun wirklich … ?

Gut 3-1/2 Jahre nach meinem 4-jährigen Studium zum Diplomingenieur wurde ich von einem Kollegen völlig unerwartet gefragt, ob ich nicht auch einmal eine außerplanmäßige Aspiratur (Doktorandum) aufnehmen möchte, was u.a. für Techniker ohnehin erst nach Abschluss einer Diplomarbeit möglich ist – der Rektor meiner ehemaligen Hochschule suchte einen Aspiranten für ein damals noch außergewöhnliches Thema. Ich nahm das Angebot an, schrieb nebenberuflich zu einem Thema, mit dem ich direkt kaum etwas zu tun hatte, meine Dissertation und erwarb im Sommer 1989 meinen Titel. Mein Vater war Arzt, bildete nebenher selber Studenten aus und merkte einmal an, dass die Mediziner es mit ihren Dissertationen leichter hätten, denn sie schrieben sie schon frühzeitig während ihres Studiums – das ist auch heute noch so. Sind Medizin-Studenten etwa intelligenter als bereits höher qualifizierte Techniker oder gab es dafür andere Gründe ? Was macht einen Arzt scheinbar besser als einen „Normalbürger“, auch wenn dieser eine hohe Qualifikation aufweisen kann ? Dieser Frage wollte ich jetzt einmal nachgehen, und bald schon bekam ich dazu die ersten Anhaltspunkte …

Der bereits o.g. Film mit Robin Williams schien eine erste Erklärung dafür zu geben, nämlich die in der Ausbildung vermittelte oder die von den Protagonisten selber angeeignete Sichtweise, dass alle Menschen von den Ärzten einmal abhängig seien und man daher eine höhere (gesellschaftliche) Verantwortung als die Durchschnittsbevölkerung trage. Teilweise mögen auch persönliche Dünkel hinzukommen, dass man mit einer umfassenderen Ausbildung ja auch „intelligenter“ als andere Menschen sei – aber das kommt auch in anderen Berufsgruppen vor. Doch können uns Ärzte wirklich vor einer Erkrankung, Schmerz, Leid, Verfall und Tod bewahren –  sind sie wirklich derart Gott-gleich ? Ganz sicher nicht, und das wissen sie selber auch. Gewisse Dünkel oder sogar Überheblichkeit können bekanntlich dazu dienen, die (zumindest unterschwellig erkannte) eigene Unvollkommenheit und die bestehenden inneren Zweifel zu kaschieren – und das ist doch irgendwie nachvollziehbar und auch menschlich. In sofern sollte man solchen Menschen einfach gelassen gegenüber treten und Mitgefühl für auch deren Verletzlichkeit aufbringen …

Damit war ich selber aber noch  nicht am Ende, denn es ging hier um Gott-Gleichheit: Was glauben wir eigentlich über Gott oder wissen wir bereits über ihn ? Zumindest akzeptieren wir doch die Aussage, dass der Mensch Gott-gleich erschaffen worden sein soll – nicht wahr ? Demnach müsste der Mensch doch auch göttliche Fähigkeiten in sich tragen, die insbesondere Allwissenheit, Allmächtigkeit und Allmöglichkeit implizieren ? Ja, und ist das auch wirklich so ? Können wir tatsächlich mit einer einzigen Handbewegung Berge versetzen, d.h. ohne aufwändige technisch-technologische Vorbereitungen ? Können wir Alter, Krankheit, Verfall und Tod wirklich verhindern ? Können wir mit einem Wimpernschlag die Welt, wie unvollkommen sie ist, wieder völlig in Ordnung bringen, ohne unsere Mitmenschen auf andere Weise erneut zu benachteiligen ? Ja, was wissen und können wir denn wirklich … ?

Wenn man nur einmal Menschen mit einem etwa gleichen Bildungsniveau vergleicht, wie z.B. Ärzte mit Ingenieuren, was macht hier den Unterschied dann noch aus ? Ganz einfach: Ärzte erschaffen nichts Neues, sondern sind für die Erhaltung etwas Bestehenden zuständig, und zwar auch immer nur in Bezug auf einzelne Personen, auch bei „Kunstfehlern“.  Darüber hinaus hat kein Arzt jemals ein neues Lebewesen kreiert und wird es auch niemals können – das ist ausschließlich Gottes Werk. Ein Ingenieur hingegen erschafft immer etwas Neues, was zuvor niemals dagewesen ist, d.h. er „spielt“ Gott, und seine „Schöpfungen“ betreffen zumeist sogar viele Menschen zugleich. Bei „Kunstfehlern“ kann das sogar verheerende Folgen haben, denn sein begrenztes Wissen schränkt ihn derart ein, dass seine Kreationen niemals so (göttlich) vollkommen sein können, dass sie sich harmonisch ins natürliche Leben einpassen können, ihre „Geschöpfe“ sind niemals selbst-heilend und auch nur eingeschränkt „intelligent“ …

Der Eine also ist „Vishnu“-gleich der Erhalter (Arzt) und der Andere ist „Brahma“-gleich der Schöpfer (Ingenieur). Die Menschen, die alles wieder zerstören und recyceln, damit daraus etwas Neues entstehen kann, sind „Shiva“-gleich – so einfach kann man die Sache also auch betrachten. Im Fazit nun ist JEDER Mensch in seinen drei Haupt-Aspekten Gott-gleich bzw. Gott-ähnlich, nicht aber Gott (der Schöpfer) selbst. Es ist daher also dümmlich, sich vor gewissen Berufsständen niederzuwerfen oder von diesen Ständen heraus auf andere herabzuschauen – insbesondere in Notlagen. Ansonsten nämlich kann man auch einen Kniefall vor einem Kfz-Mechaniker machen, wenn er mal das eigene Auto repariert – Ärzte machen im Prinzip nichts Anderes.  Oder man himmelt Architekten an, die uns schöne Häuser entwerfen, oder Bäcker, die besonders schmackhafte Brote und Torten herstellen, oder freundliche Gastro-Servicekräfte, die unsere schlechte Laune immer wieder zu vertreiben verstehen – man kann diese Reihe unendlich fortsetzen …

Und worum ging’s mir mit meinem Beitrag nun wirklich ? Ganz einfach: Findet Eure besonderen Veranlagungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten wieder und lebt sie ganz bewusst aus, ohne Eure Mitmenschen zu belästigen oder sogar zu benachteiligen, denn sowohl Ihr selber als auch die Anderen sind etwas ganz Besonderes ! Ihr Alle seid Gott-gleich in den verschiedensten Aspekten – von dem einen mal mehr und dafür von dem anderen mal weniger – insgesamt aber immer perfekt, so wie Ihr seid ! Wenn Ihr das wieder erkennt, erkennt Ihr Euch gegenseitig an, werdet wieder friedfertiger und gelassener. Und außerdem fließt in Euch selber wieder die Energie ungehindert durch, die Eure Körper an diesem Leben lange gesund erhält – das Prana bzw. Chi bzw. Ki oder wie auch immer Ihr sie nennt. „Götter in Weiß“ jedoch gibt es nicht wirklich …

Klassische und alternative Heilungs-Chancen (20.08.2016)

Man mag nicht immer so gerne über sich selber sprechen, aber manchmal ist es doch hilfreich, gewisse Themen mit eigenen Erfahrungen zu belegen. Und somit blicke ich auch auf meine bisher vermeintlichen Fehlschläge in der alternativen bzw. komplementären Heilkunde zurück, die mir recht drastisch die Grenzen meiner persönlichen Veranlagungen sowie meiner erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten aufzeigten – es war außerordentlich niederschmetternd und ernüchtert …

Also – als meine Frau im Frühjahr 2000 an einem sehr seltenen und sehr bösartigen Tumor erkrankte, beschritten wir neben der klassischen (allophatischen) medizinischen Betreuung sofort auch den Weg der „alternativen“ Heilkunde, d.h. wir suchten zunächst nach den physikalischen, chemischen, biologischen und sogar psychischen Ursachen für diese plötzliche Erkrankung. Von Hause aus beide Ingenieure, gingen wir die Angelegenheit also systematisch an und wurden dafür von einigen Medizinern sogar belächelt: „Was wollen diese medizinischen Laien damit denn wohl ausrichten ?“. Davon ließen wir uns jedoch nicht beirren. Meine Frau unterzog sich an der Rostocker Universitätsklinik in drei aufeinander folgenden Jahren mehrerer OP’s, bis sie von der Charité in Berlin-Buch betreut wurde. Man verschrieb ihr ein Medikament in Kapsel-Form, das den Tumor tatsächlich auch zurückdrängte – bis er dann nach ca. 1-1/2 Jahren wiederkam. Es war bekannt, dass der Tumor gegenüber diesem Medikament resistent werden konnte, und man forschte daher nach einem komplexeren und wirkungsvolleren Medikament. Meine Frau wollte sich nun aber nicht mehr zum Versuchskaninchen machen lassen und erklärte, die Heilung jetzt völlig in Gottes Hände geben zu wollen – das schrieb sie auch in ihr Tagebuch …

Auf „alternativem“ oder besser gesagt komplementärem Wege waren wir bei diversen Heilpraktikern (u.a. Dunkelfeld-Mikroskopie, Selen-Kapseln u.a.m.), ließen in unserer Wohnung und am Arbeitsplatz Störfeld-Untersuchungen vornehmen, nahmen an Familienaufstellungen teil, besuchten einen Kinesiologen, mehrere Psychotherapeuten sowie eine Astrologin und ließen auch überprüfen, ob nicht sogar ein bösartiger Fluch wirkte – man weiß ja nie, zumal der Großvater meiner Frau zur Vorkriegszeiten einmal Anthroposoph und Logenmeister war. Meine Frau spritze sich vom Hausarzt verschriebene Mistel-Präparate selber, wir konsumierten gemeinsam Aloe-Vera-Säfte, Sole-Lösungen nach Peter Ferreira, Kombucha-Getränke und Kristallalgen. Wir befassten uns mit der „Anthroposophie“ nach Rudolf Steiner (1861-1925), mit dem „Heilströmen“ nach Bruno Gröning (1906-1959) sowie mit der „Neuen germanischen Medizin“ nach Dr. Ryke Hamer. Wir arbeiteten mit „The Journey“ nach Brandon Bays und kommunizierten mit Engeln nach Ingrid Auer – diese Aufzählung ist sicherlich noch unvollständig. Schließlich erlernten wir beide die „Prana-Heilung nach Choa Kok Sui“ selber, was dann tatsächlich eine spürbare Linderung der mit dem Tumor verbundenen Beschwerden brachte …

Wohlwollende Hinweise aus Bekanntenkreisen, es doch auch einmal mit der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) zu versuchen, hatten wir erst einmal nicht aufgegriffen, denn wir waren mittlerweile völlig überfordert. Und von Ayurveda hatten wir bis zum Tode meiner Frau zu Weihnachten 2005 noch nie etwas gehört – wir (insbesondere ich selber) legten alle Hoffnungen auf die „Prana-Heilung nach Choa Kok Sui„, die uns bisher am weitesten gebracht hatte, nur eben nicht eine wirkliche Heilung bewirkte. Und damit hatte ich dann sehr lange Zeit zu kämpfen, mit der Suche nach dem Warum, nach dem, was wir eventuell übersehen oder nicht gemacht hatten, mit der Akzeptanz gewisser Illusionen, meines doch noch geringen Wissens, meiner eingeschränkten Fähigkeiten und Fertigkeiten, meiner Machtlosigkeit …

Ich bin mir darüber sehr wohl bewusst, dass meine o.a. Offenbarung eine Ernüchterung für all jene potentiellen Klienten darstellt, die eventuell die Hoffnung hegen, noch bei mir „das Ruder herumreißen“ zu können. Tatsächlich kann ich in meiner Praxis auf viele erfolgreiche Beratungen und Behandlungen auf den Gebieten zurückblicken, für die wir hier stehen, nämlich auf Bournouts und Lebenskrisen, auch auf Schmerzbehandlungen und einige andere Dinge mehr, aber vor Krebs-Behandlungen schrecke ich zurück, zumal diese Erkrankung eine ganz eigene Charakteristik aufweist, in die ich mich an dieser Stelle nicht weiter vertiefen möchte, weil es hier um ein ganz anderes Thema geht, nämlich um das Thema „Heilungs-Chancen“ …

Von Hause aus ursprünglich Atheist, aber dennoch für Alles offen (sonst hätte ich den oben beschriebenen Weg ja auch gar nicht beschritten), wurde ich mit der Zeit immer wieder mit dem Begriff „Gott“ konfrontiert.  Zunächst konnte ich diesen Begriff noch geschickt mit meiner  immer wieder geäußerten Absicht umschiffen, nach der Quelle zu suchen, die für den gesamten „Schlamassel“ verantwortlich war, aber genau diese Quelle war eben „Gott“, wie sich mit der Zeit dann herausstellte. Erst nach dem Tode meiner Frau lernte ich Ayurveda kennen und vertiefte mich in diese für mich völlig neue Welt. Ich  absolvierte mehrere Ausbildungen zum Masseur und zum Therapeuten bei deutschen und indischen Ärzten, eröffnete eine kleine Praxis, setzte meine Studien fort und bildete als Dozent eine gewisse Zeit auch diverse Leute in der Ayurveda-Massage aus. Das lief ganz gut und ebbte dann aus unerklärlichen Gründen ab. Ich nutzte die gewonnene Zeit, mich intensiver mit der Philosophie hinter dem Ayurveda zu befassen, d.h. mit den Studien der vedischen Überlieferungen, die die Grundlage für den Hinduismus und teilweise auch Buddhismus liefern. Und siehe da, das Thema „Gott“, der hier viele Namen trägt (in erster Linie „Krishna“, d.h. der „All-Anziehende“) war für mich nun ständig präsent …

Ich habe mich in meinen vorangegangenen Beiträgen bereits oft auf die vedischen Überlieferungen bezogen, insbesondere auf das „Srimad Bhagavatam“ und die „Bhagavad Gita“. Und wenn man sich mit dem Sinn des Lebens im Allgemeinen und mit der Heilkunde im Speziellen tiefgründig befassen will, kommt man an diesen Überlieferungen nicht vorbei. Tatsächlich konnte ich bisher nicht eine einzige andere Philosophie und nicht eine einzige „moderne wissenschaftliche“ Erklärung für alle weltlichen und spirituellen Vorgänge finden, die den vedischen Weisheiten wirklich nahe kommen. Und hier also fand ich dann auch die plausibelste Erklärung dafür, warum eine Heilbehandlung zu einem Erfolg führt oder warum nicht. Doch schauen wir uns nun auszugsweise die entsprechende Texte näher an („Srimad Bhagavatam“, 7.Canto, 9.Kapitel, 19.Vers):

balasya neha saranam pitarau nrsimha
nartasya cagadam udanvati majjato nauh
taptasya tat-pratividhir ya ihanjasetas
tavad vibho tanu-bhrtam tvad-upeksitanam

0 Höchster Herr, Sri Nrsimhadeva, aufgrund ihrer körperlichen Lebens­-
auffassung können verkörperte Seelen, die Du vernachlässigst und für die
Du nicht sorgst, nichts tun, um ihre Lage zu verbessern. All das, was sie als
Heilmittel betrachten, mag zwar eine Zeitlang nutzbringend sein, ist jedoch
mit Sicherheit nicht von Dauer. Ein Vater und eine Mutter beispielsweise
können ihr Kind nicht beschützen, ein Arzt sowie Medizin können einem
leidenden Patienten keine Linderung verschaffen, und ein Boot auf dem
Meer kann einen Ertrinkenden nicht retten.

Es besteht für ALLE Heilkundigen die unabdingbare Notwendigkeit, ihre Patienten bzw. Klienten darüber aufzuklären, dass ein Heilerfolg letztlich immer von einem höheren Willen abhängt, und das müssen auch Atheisten sowie Materialisten akzeptieren, ob sie es nun können bzw. wollen oder nicht. Meine o.a. persönlichen Erfahrungen und die tatsächlich aller anderen Heilkundigen, wenngleich sie kaum darüber derart direkt oder öffentlich sprechen mögen, bestätigen diese Tatsache. Und was kann man dann nun tun ? Ganz einfach – man sollte sich endlich einmal mit dem wirklichen Sinn des menschliches Daseins, das immer nur zeitweilig ist, befassen. Und eine Erkrankung ist in jedem Leben auch nur eine zeitweilige Episode, die ausschließlich die eigene Verkörperung betrifft, nicht aber das in dieser Verkörperung residierende eigentliche Lebewesen, nämlich die Seele selbst …

 

Kinderlosigkeit aus spiritueller Sicht (26.05.2016)

Im letzten Jahr suchten uns völlig unabhängig voneinander zwei junge Ärztinnen auf, die in größerer Entfernung von unserer Praxis lebten und arbeiteten und sich gegenseitig auch nicht kannten. Ihnen war aber gemeinsam, dass sie ihre Probleme vor ihrer Kollegenschaft einfach nicht ausbreiten konnten – wer unsere Gesellschaft gut beobachtet, kann die bestehenden Hemmnisse mit Sicherheit nachvollziehen. In dem einen Fall handelte es sich um einen Burnout durch den übermäßigen Krankenhausdienst und im anderen Fall um Kinderlosigkeit. Die gerade hiervon betroffene Klientin arbeitete bezeichnenderweise in einer Abteilung, in der kinderlosen Frauen mit (klassisch-) medizinischen Mitteln und Methoden zu einer Schwangerschaft verholfen werden soll. Wie steht man nun im Ayurveda im Allgemeinen und in den Veden im Speziellen dazu … ?

Kinderlosigkeit begegnet uns im Bekannten-, Freundes- und Verwandtenkreis doch relativ häufig. Die betroffenen Frauen oder Paare lassen kaum etwas unversucht, den Ursachen für die ausbleibende Empfängnis auf den Grund zu gehen und diese mit „modernen“ medizinischen Methoden zu überwinden. Gibt es dafür wirklich keine Möglichkeit, so bleibt ihnen immer noch der Weg über eine Kindes-Adoption oder die Übernahme einer Pflegeschaft. Alles das sind jedoch nur Reaktionen auf das Kinderlosigkeits-Symptom …

Im ganzheitlichen Ayurveda versucht man, die Problematik nicht nur auf körperlicher, sondern auch noch auf geistiger und seelischer Ebene abzuklären und zu lösen. So werden unter anderem die jeweiligen körperlichen und geistigen Voraussetzungen für eine Elternschaft, die jeweiligen Lebens- und Arbeitsbedingungen, die Lebensweise selbst, die geistig-spirituelle Reife sowie die Zeitqualität näher beleuchtet. Besteht ein Kinderwunsch, so ist auch ehrlich zu hinterfragen, ob dieser Wunsch wirklich aus dem Inneren bzw. dem Herzen kommt oder ob dafür nicht eher rationale bzw. Imagegründe vorliegen …

Betrachtet man die Problematik des bisher nicht erfüllten Kinderwunsches auf seelischer Ebene, so muss man differenzieren zwischen einem seelischem Beistand (Anteilnahme, Mitgefühl usw.) sowie der spirituellen Deutung. Ein „seelischer“ Beistand im allgemeinverständlichen Sinne trägt nicht wirklich dazu bei, das von den Betroffenen empfundene Leid nachhaltig zu lindern und völlig zu beseitigen. Selbst wenn es später einmal gelingen sollte, dass sich der Kinderwunsch auf irgendeine Weise realisieren ließ, so zieht die Existenz eines Kindes neues Leid nach sich, wie z.B. die bestehende Angst um das kindliche Wohlsein u.a.m. …

Diese Thematik nun wird in den vedischen Überlieferungen selbst (nicht explizit im Ayurveda) aufgegriffen und tiefgreifend behandelt: Ist ein Mensch spirituell fortgeschritten, so ist ihm bereits klar, dass es eine Trinität von Körper, Geist sowie Seele gibt und dass er selber nicht der materiell-grobstoffliche Körper und materiell-feinstoffliche Geist ist, sondern die spirituelle Seele, die in einer zeitweilg eigenen, sich stets verändernden materiellen Verkörperung weilt. Mit anderen Worten ist ihm schon klar, dass die Verkörperung (Inkarnation) eine zeitweilige Angelegenheit ist, nur ist ihm weniger klar, warum die Inkarnation einer anderen Seele in einem von Mann und Frau bereitgestellten (gezeugten) Verkörperung zumindest bisher nicht gelang und eventuell auch niemals gelingen wird. Dazu nun im „Srimad Bhagavatam“ (6. Canto, 14. Kapitel ff.) mehr …

Spiritualität – sind Äußerlichkeiten wichtig ? (10.02.2016)

Spätestens seit Herbst letzten Jahres kommt dieses Thema vermehrt auf, nämlich im Bezug auf eine „Islamisierung“ unserer westlichen Gesellschaft durch Flüchtlinge und Migranten aus dem Nahen Osten, aus Nord- und Mittel-Afrika oder aus Afghanistan. Was dabei am meisten als störend oder sogar bedrohlich empfunden wird, ist die Verschleierung der Frauen, die sich dem Islam zuwenden und die das angeblich unter der Knute einer männlichen Herrschaft tun. Doch was haben diese Äußerlichkeiten wirklich mit dem Wesen unseres Mensch-Seins zu tun … ?

Die ursprünglich altindische Gesundheitslehre und Heilkunst AYURVEDA, die bekanntlich auch auf der ganzen Welt uneingeschränkt einsetzbar ist, ist selber zutiefst spirituell durchdrungen, wenngleich das zunächst vielen Klienten oder Patienten entgeht. Der spirituelle Hintergrund wird dann jedoch in Äußerlichkeiten ersichtlich, wie z.B. in der Ausstattung von Behandlungsräumen mit hinduistischen Bildnissen und der Einbindung hinduistischer Praktiken. Wer sich selber damit nicht tiefgründiger befasst, dem werden diese Äußerlichkeiten etwas exotisch und dennoch sehr angenehm erscheinen. Oftmals wirft man sogar den Hinduismus mit dem Buddhismus in einen Topf, obgleich sie recht verschiedene Auffassungen von unserem menschlichen und weltlichen Dasein haben – Hauptsache es erscheint irgendwie fernöstlich …

Aber auch der Islam und der Sufismus sind nicht Ein- und Dasselbe – der Sufismus stellt eine besondere mystische Strömung innerhalb des Islam dar, so wie der Buddhismus einmal aus dem Hinduismus hervorgegangen ist. Letztlich gibt es auch im Christentum die verschiedensten Richtungen, die sich scheinbar sogar sehr konträr gegenüberstehen, und das Christentum ging aus dem Judentum hervor. Wie jeder religiöse Mensch unabhängig voneinander bestätigt, nimmt seine Religion ausdrücklich Bezug auf ein Schöpfungswesen, das eine Bezeichnung bzw. einen Namen hat und für ihn sichtbar oder unsichtbar bzw. darstellbar oder nicht darstellbar ist. Dieses Schöpfungswesen, das wir in unserer westlichen Kultur als „Gott“ bezeichnen, ähnelt sich in all seinen Charaktereigenschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten so sehr, dass es sich letztlich immer wieder um Ein das Dasselbe handeln muss …

Doch was haben nun die religiösen Äußerlichkeiten damit zu tun, die uns zuweilen anziehen, in anderen Fällen aber beängstigen ? Das eigentliche Ziel einer jeden Religion ist die natürliche Wiedereinbindung des individuellen Lebewesens in die gesamte Schöpfung und zugleich die Rückverbindung mit dem Schöpfungswesen, das wir „Gott“ nennen. Unter einer „natürlichen Wiedereinbindung“ sei die Wiederintegration in unsere gesamte natürliche Umwelt ohne Einflussnahme durch unseren materiell orientierten Verstand gemeint. Es sei an dieser Stelle nochmals daran erinnert: Wir Menschen sind unsterbliche spirituelle Lebewesen in einem sterblichen materiellen Körper ! Also – alle religiösen Praktiken, zu denen auch die Ausgestaltung von Räumlichkeiten, die Bekleidung und ebenso Rituale gehören, sind HIlfsmittel, unseren materiell orientierten Verstand immer wieder auf das o.g. eigentliche Ziel auszurichten. Der Verstand nämlich lässt sich von unseren Sinnesorganen beeindrucken und diese sind immer auf (vergängliche) materielle Äußerlichkeiten gerichtet. Es ist daher intelligent, den Verstand über religiöse Äußerlichkeiten in die Richtung zu lenken, die unser eigentliches (spirituelles) Mensch-Sein wirklich betreffen …

Sicherlich mögen einige religiöse Äußerlichkeiten für uns befremdlich erscheinen, aber im Kern geht es immer wieder um das gleiche Thema. Was liegt jetzt nicht näher, sich einmal mit den Menschen zu unterhalten, die das gleiche Lebensziel auf eine andere Weise als wir selber zu erreichen versuchen ? Ablehnung führt zur Beschränktheit, Offenheit führt zu mehr Weisheit. In diesem Sinne … atma namasté …

Die Stellung der Lebewesen in der göttlichen Schöpfung (26.12.2015)

In unserer heutigen Zeit maßt sich nahezu jeder Mensch ganz bewusst oder zumindest unbewusst an, eine bestimmte Stellung in der Gesellschaft einnehmen zu müssen. Die daraus entstandenen Hierarchien entsprechen aber nicht immer den jeweiligen rationalen Fähigkeiten und Fertigkeiten und noch seltener dem jeweiligen geistigen Bewusstseinsstand. Tatsächlich ist die Wirklichkeit kaum das, was man als offensichtlich zu erkennen glaubt – oftmals trägt ein Bettler ein noch größeres Herz und umfassendere Weisheit in sich als ein gut situierter Lehrstuhlinhaber …

In den vedischen Überlieferungen wird wiederholt klargestellt, dass unser gesamtes Sein das Ergebnis von Schöpfungsprozessen ist, in die wir nach einer ganz bestimmten Ordnung eingebunden sind. Nicht wir Menschen sind die eigentlichen Schöpfer, sondern unter tranzendentalem Einfluss stehende Mitschöpfer, die je nach ihrem individuellen Erkenntnisstand agieren dürfen und dazu auch eine entsprechende Verkörperung annehmen. Es ist das eigene Selbstbildnis (Ego), das uns in den (Irr-) Glauben versetzt, genau die Dinge immer selber in die Hand nehmen zu können, die unser Leben scheinbar erfolgreicher machen, und andere Mitspieler des Universums scheint es dabei nicht zu geben – oder etwa doch ? Was sagt der Schöpfer („Krishna“) selber dazu ?

„Unter den beiden manifestierten Energien (spirituelle Natur und tote Materie] stehen Wesen, die Lebenskraft besitzen (Gemüse, Gras, Bäume und Pflanzen] höher als tote Materie (Steine, Erde usw]. Höher als sich nicht be­wegende Pflanzen sind Würmer und Schlangen, die sich bewegen können. Über den Würmern und Schlangen stehen Tiere, die Intelligenz entwickelt haben. Den Tieren überlegen sind die Menschen, und höherstehend als die Menschen sind Geister, da sie keinen materiellen Körper besitzen. Über den Geistern stehen die Gandharvas, und ihnen überlegen sind die Siddhas. Hö­herstehend als die Siddhas sind die Kinnaras, und höher als die Kinnaras sind die Asuras. Höher als die Asuras sind die Halbgötter, und unter ihnen ist ln­dra, der König des Himmels, der höchste. Über lndra befinden sich die un­mittelbaren Söhne Brahmas wie König Daksa, und unter den Söhnen Brah­mas ist Siva der höchste. Da Siva der Sohn Brahmas ist, gilt Brahma als hö­herstehend, doch Brahma ist Mir, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, untergeordnet. Da Ich den brahmanas zugeneigt bin, sind die brahmanas die besten von allen.“ („Srimad Bhagavatam“, 5. Canto, Kapitel 5, Vers 21-22)

Damit muss man sich erst einmal arrangieren können, d.h. den Mut aufbringen, die bisherige trügerische Ich-Vorstellung (Ego) von der „Krone der Schöpfung“ zu zerbrechen. Das ist in einer materialistisch und oftmals auch atheistisch ausgerichteten Gesellschaft ein sehr mühsamer und nicht selten auch einsamer Weg. Wenn man diesen eventuell zu gehen bereit ist, so wäre doch zumindest interessant zu wissen, wie man sich denn „den Schöpfer Selbst“ („Krishna“) vorstellen kann. Dazu gibt es unter anderem folgende Beschreibung:

„… Er ist in Sich Selbst vollkommen und nicht von anderen abhängig. Er wird durch Hö­ren und durch unmittelbare Wahrnehmung erkannt. Er strahlt aus Sich Selbst heraus und erfährt weder Geburt, Alter, Krankheit noch Tod. Er ist der Beherrscher aller Halbgötter, angefangen mit Brahma. Er wird Narayana genannt, und nach der Vernichtung der materiellen Welt ist Er die Zuflucht aller Lebewesen. Er besitzt alle Reichtümer in vollkommenem Maße, und in Ihm ruht alles Materielle. Er ist deshalb als Vasudeva, die Höchste Persön­lichkeit Gottes, bekannt. Durch Seine eigene Kraft ist Er im Herzen aller Le­bewesen gegenwärtig, genau wie sich die Luft oder die Lebenskraft im Kör­per aller sich bewegenden und sich nicht bewegenden Wesen befindet. Auf diese Weise lenkt Er den Körper. Die Höchste Persönlichkeit Gottes geht in Ihrem Teilaspekt in alle Körper ein und lenkt sie.“ („Srimad Bhagavatam“, 5. Canto, Kapitel 11, Vers 13-14)

Mit anderen Worten ist der Schöpfer von allem was ist (Gott bzw. „Krishna“) ein eigenständiges Lebewesen mit einem spirituellen Körper, der eine helle spirituelle Ausstrahlung hat (Seelen-Funken) und einen dunklen materiellen Schatten, in den sich die Seelen geistig verfangen können und dann eine materielle Verkörperung annehmen. Der Schöpfer ist durch seine Alles durchdringende Ausstrahlung im gesamten Universum präsent, so auch als Über-Seele („Paramatma“) in jedem individuellen Lebewesen, die auf dieses Lebewesen transzendental Einfluss nimmt. Diese Einflussnahme kann man wahrnehmen, wenn man sich „einfach von Innen geführt“ empfindet und dabei einmal seinen rationalen Verstand ignoriert …

Man beachte: Der Verstand ist eine Komponente des unsere Körper unstet durchfließenden Geistes, der sich unter anderem von äußeren Sinneswahrnehmungen beeindrucken lässt. Im Ergebnis entsteht ein Bildnis von der Welt um uns herum und von uns selbst (Ego). Da das Äußere der materielle Schatten des Schöpfers in unendlich vielen Zuständen und Formen ist, entspricht es nicht einer beständigen Realität und sollte daher als eine unbeständige Täuschung erkannt werden. Die Beherrschung der Sinne und des Verstandes über solche Praktiken, wie Yoga und Meditation, dient dazu, einen freien Zugang zur inneren (göttlichen) Stimme zu gewinnen und damit zur in uns residierenden Über-Seele („Paramatma“).

Nun stellt sich die Frage, wozu das Wissen um diese Dinge gut sein soll, wenn es hier eigentlich doch nur um AYURVEDA („Wissen vom Leben“) gehen soll ? Nun – was nützt uns Teilwissen, wenn wir unser individuelles Leben und das uns begleitende gesellschaftliche Leben begreifen und „verbessern“ wollen ? Wieviel Einfluss haben wir darauf wirklich und worin überhaupt liegt der eigentlichen Sinn unseres Lebens ? Tatsächlich ist es nicht wirklich damit getan, durch ayurvedische Behandlungen körperliche (Krankheits-) Symtome zu beseitigen, denn eine wirkliche Heilung besteht in der ganz bewussten und wesensgemäßen (Wieder-) Einbindung der eigenen Persönlichkeit ins gesamte kosmische Dasein …

Kurze Erläuterung:

  • Gandharva = ein Gott zugewandtes (spirituell orientiertes) niederes Geistwesen mit magischen Fähigkeiten
  • Siddha = Yogi mit übernatürlichen magischen und spirituellen Fähgkeiten
  • Kinnara = Mischwesen zwischen Mensch und Vogel bzw. Pferd mit besonderen musikalischen Fähigkeiten
  • Asura = ein von Gott abgewandtes (materiell orientiertes) niederes Geistwesen mit dämonischen Ambitionen
  • Indra = Halbgott und Herrscher über alle himmlische Wesen
  • Brahma = erstes (materiell) verkörpertes Lebewesen des Universums überhaupt; Halbgott und Repräsentant des Rajas-Guna (Leidenschaft)
  • Siva (Shiva) = einer der ersten Söhne Brahmas, Halbgott und Repräsentant des Tamas-Guna (Unwissenheit)
  • Visnu (Vishnu) = Gott (Krishna) selbst und Repräsentant des Sattva-Guna (Bewusstheit bzw. Tugend)
  • Brahmane = vedischer Priester
  • Vaisnava = Visnu- bzw. Gott-Geweihter

Wir selbst nehmen uns überall mit hin (15.10.2015)

Diese Aussage mag zunächst etwas verwirren, weil wir uns doch ganz offensichtlich überall hin mitnehmen, aber dabei meinen wir im Allgemeinen unsere Persönlichkeit, wie wir sie mit unseren fünf menschlichen Sinnen wahrnehmen oder wie wir sie in uns selber sehen. An dieser Sichtweise ist schon etwas Wahres dran, aber dabei sollten wir es nicht einfach so belassen …

Im Hinblick auf die aktuelle weltpolitische Situation, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, gibt es sowohl eine „gute“ als auch eine „schlechte“ Nachricht: Die „gute“ Nachricht besteht darin, dass all jene, die uns mit ihrer Gier zunehmend in existenzielle Schwierigkeiten bringen, nach ihrem physisch-biologischen Tod furchtbare Leiden und damit ihre „gerechte Strafe“ erfahren werden. Die „schlechte“ Nachricht ist die, dass auch wir nicht davor gefeit sind, wenn wir unser eigenes Leben nicht bewusster spirituell ausrichten. Das zu wissen, ist jedoch wieder eine gute Nachricht …

Ähnliche Botschaften verbreiteten bereits seit Urzeiten unsere Großeltern und die Religionen, mit denen wir bisher in Kontakt gelangt sind. Wenn wir einmal unsere sicherlich nicht ganz unberechtigten Kritiken an gewissen religiösen Institutionen und deren Handlungsweisen außer Acht lassen, hat die obige Aussage einen absoluten Wahrheitsgehalt, den wir auch ernst nehmen sollten. Worum es eigentlich geht:

Wir Menschen verfügen über einen sichtbaren grobstofflichen (biologischen) Körper, der in einen unsichtbaren feinstofflichen (Energie-) Körper eingebettet ist. Dieser feinstoffliche Körper beherbergt unter anderem unsere Grundeinstellungen (Mentalitäten) und unsere Erfahrungen (Karma). In den Veden wird der feinstoffliche Körper auch als individuelles Behältnis unserer Intelligenz, unseres Geistes und unseres Egos angesehen. Wir selber – die rein spirituelle Seele – befinden uns mitten in diesem Behältnis, und zwar so lange, so lange es noch nicht erlebte Wünsche und noch nicht endgültig zum Abschluss gebrachte Vorgänge (Karma) gibt …

Die Intelligenz, der Geist und das Ego sind feinstoffliche Energiefelder bzw. -ströme und daher materieller Natur. Sie dienen uns dazu, mit der uns umgebenden Materie zu interagieren, d.h. sowohl mit unserer grobstofflichen biologischen Verkörperung als auch mit all jenen materiellen Erscheinungen, die wir mit unseren fünf Sinnen wahrnehmen und auf die wir zuweilen auch selber mit bestimmten Absichten einwirken. Genau diese Absichten sind einmal tiefgründiger zu hinterfragen, denn jede materielle Interaktion führt zu materiellen Reaktionen (Karma) und materiellen Verstrickungen. Diese wiederum sind nicht nur mit zunehmendem Wohlstand und Glücksgefühlen, sondern auch mit Anstrengungen und sogar Leid verbunden – Materie ist von Natur aus immer dual …

Die materielle (grob- und feinstoffliche) Verkörperung eines jeden Lebewesens (Seele) unterliegt bekanntlich ständigen Wandlungen, die sich unter anderem im Wachstum, in Krankheit, Verfall und Tod zeigen. Sind gewisse Wünsche noch nicht erlebt und ins Laufen gebrachte Vorgänge noch nicht endgültig abgeschlossen worden, so bleiben sie nach dem biologischen Tod des grobstofflichen Körpers weiterhin Bestandteil des feinstofflichen Körpers, der nach einer gewissen Zeit zur Vollendung seiner Vorhaben wieder eine neue grobstoffliche Verkörperung annehmen wird – das entspricht nämlich seinen noch bestehenden Wünschen und offenen Verpflichtungen …

Die Inbesitznahme einer neuen biologischen Verkörperung, soweit sie erforderlich ist, ist von zahlreichen Faktoren abhängig. So wird das Lebewesen (Seele) im Folgeleben eine Verkörperung annehmen, die den noch offenen Vorhaben am besten entspricht. Äußerst materiell orientierte Menschen werden daher noch tiefer in die Materie einsinken und sich noch mehr mit ihrer Dualität abmühen müssen, wohingegen Menschen, die sich immer weniger auf Materie eingelassen haben, ein leichteres Leben haben werden. Die „Krönung“ der menschlichen Entwicklung ist die absolute Aufgabe einer jeglichen materiellen Verkörperung und das sogenannte rein spirituelle „Eingehen in Gottes Reich“. Wie weit dieses Ziel für jeden einzelnen Menschen erstrebenswert ist, hängt von seinem individuellen spirituellen Entwicklungsstand und damit von seiner Beziehung zum Schöpfer (Gott bzw. „Krishna“) ab. Es gibt zahlreiche Philosophien und Religionen, die sich mit dieser Thematik (teilweise auch konträr) auseinandersetzen, doch als Ayurveden beziehen wir uns auf die vedischen Überlieferungen, wie z.B. folgende Texte:

„Das Lebewesen handelt im gegenwär­tigen Leben in einem grobstofflichen Körper. Dieser Körper wird vom feinstofflichen Körper, der sich aus Geist, Intelligenz und Ego zusammensetzt, dazu gezwungen, zu handeln. Nachdem der grobstoffliche Körper verloren ist, ist der feinstoffliche Körper noch vorhanden, um zu genießen oder zu leiden. Deshalb gibt es keinen Wandel.“ („Srimad Bhagavatam“, 4. Canto, Kapitel 29, Vers 60)

„Das Lebewesen verläßt, während es träumt, den eigentlichen lebenden Körper. Mit Hilfe der Tätigkeiten seines Geistes und seiner Intelligenz han­delt es in einem anderen Körper als ein Halbgott oder als ein Hund. Nach­ dem es den grobstofflichen Körper verlassen hat, geht das Lebewesen ent­weder in den Körper eines Tieres oder in den Körper einen Halbgottes ein – auf diesem Planeten oder auf einem anderen. So genießt es die Ergebnisse der Handlungen seines vorhergehenden Lebens.“ („Srimad Bhagavatam“, 4. Canto, Kapitel 29, Vers 61)

Das Lebewesen kämpft hart im Bann der körperlichen Auffassung von: „Ich bin dieses und ich bin jenes. Meine Pflicht ist dies, und deshalb werde ich es tun.“ All dies sind geistige Eindrücke, und alle diese Tätigkeiten sind zeitweilig; nichtsdestoweniger erhält das Lebewesen durch die Gnade der Höchsten Persönlichkeit Gottes Gelegenheit, alle seine Hirngespinste in die Tat umzusetzen. Deshalb erhält es einen weiteren Körper.“ („Srimad Bhagavatam“, 4. Canto, Kapitel 29, Vers 62)

„… Der Geist ist die Ursache dafür, daß das Lebewesen entsprechend seiner Verbindung mit der materiellen Natur eine bestimmte Art von Körper erhält. Am Geisteszustand kann man erkennen, was das Lebewesen in seinem vorgangenen Leben war und welche Art von Körper es in Zukunft haben wird. Deshalb kann man am Geisteszustand die vergangenen und zukünftigen Körper erkennen.“ („Srimad Bhagavatam“, 4. Canto, Kapitel 29, Vers 66)

„Manchmal sehen wir im Traum etwas, was wir in diesem Leben niemals erfahren oder gehört haben, doch alle diese Begebenheiten sind zu ver­schiedenen Zeiten, an verschiedenen Orten und unter verschiedenen Um­ständen erfahren worden.“ („Srimad Bhagavatam“, 4. Canto, Kapitel 29, Vers 67)

„Der Geist des Lebewesens fährt fort, in verschiedenen grobstofflichen Körpern zu existieren, und je nach den Wünschen zur Sinnenbefriedigung, die man hegt, hält der Geist verschiedene Gedanken fest. Im Geist tauchen diese verschiedenen Verbindungen auf; deshalb erscheinen diese Vorstellungen manchmal als Dinge, die wir niemals zuvor gesehen oder gehört ha­ben.“ („Srimad Bhagavatam“, 4. Canto, Kapitel 29, Vers 68)

„Solange der feinstoffliche materielle Körper existiert, der sich aus Intelligenz, Geist, Sinnen, Sinnesobjekten, den Reaktionen der materiellen Eigenschaften, dem Bewußtsein der falschen Identifikation und ihrem relativen Ziel zusammensetzt, existiert auch der grobstoffliche Körper.“ („Srimad Bhagavatam“, 4. Canto, Kapitel 29, Vers 70)

„Durch die Vorgänge des feinstofflichen Körpers entwickelt das Lebewesen grobstoffliche Körper und gibt sie auf. Dies ist als die Seelenwanderung bekannt. Auf diese Weise wird die Seele verschiedenen Arten von soge­nanntem Genuß, Kummer, Furcht, Glück und Unglück unterworfen.“ („Srimad Bhagavatam“, 4. Canto, Kapitel 29, Vers 75)

„Den Seinszustand, an den man sich beim Verlassen des Körpers erinnert, wird man ohne Zweifel erreichen.“ („Bhagavad Gita“, Kapitel 8, Vers 6)

„Menschen, die sich in der Erscheinungsweise der Reinheit befinden, gehen zu den höheren Planeten; diejenigen, die sich in Leidenschaft befinden, bleiben auf den irdischen Planeten, und diejenigen, die sich in der Erscheinungsweise der Unwissenheit befinden, fallen in die höllischen Welten hinab.“ („Bhagavad Gita“, Kapitel 14, Vers 18)

Anmerkung: Eine tiefe materialistische Verstrickung, die sich unter anderem in Neid und Gier und den daraus folgenden Handlungen äußerst, führt unabdingbar in ein elendes nächstes Leben. Menschen, denen die Logik der vedischen Überlieferungen nicht zugänglich ist oder die diese ablehnen, werden „Asuras“ genannt – sie befinden sich ob ihrer Denk- und Handlungsweise in den Erscheinungsweisen („Gunas“) der Unwissenheit sowie Ignoranz („Tamas“) und Leidenschaft („Rajas“) …

Materielle Verstrickung – Spirituelle Entwicklung (06.10.2015)

Dieses Thema wirft uns immer wieder auf uns selber zurück, wenn wir einmal kurzfristig in Schwierigkeiten oder für längere Zeit in tiefere Lebenskrisen geraten. Im Allgemeinen ist uns gar nicht bewusst, dass es zwischen unserem materiell orientierten Denken sowie Tun und unserer spirituellen Entwicklung überhaupt einen Zusammenhang gibt …

Um hier nicht als „spiritueller Oberlehrer“ zu erscheinen, sei gleich vorweg gestellt, das mein persönliches Leben schon seit sehr vielen Jahren von größeren existenziellen Ängsten begleitet wurde, zu deren Bewältigung ich auch zahlreiche „Strategien“ ausprobiert habe – die Ergebnisse waren jedoch immer wieder ernüchternd. War ich dazu nur zu unfähig, habe ich die richtigen Strategien noch nicht gefunden oder gab es sogar „Mächte“, die mir immer wieder dazwischen fummelten … ? Was ich dem interessierten Leser im Folgenden vermitteln möchte, ist der Umstand, dass ausnahmslos alle unsere Lebensthemen mit unserer spirituellen Entwicklung zusammenhängen, ob es nun Existenzängste sind, schwere Erkrankungen, Beziehungsprobleme oder was auch immer:

Eine der ersten Fragen, die wir uns bei großen Schwierigkeiten immer wieder stellen, ist die, warum gerade uns das passiert, was uns gerade da passiert ? Warum widerfährt es nicht auch einmal jenen, die in unseren Augen ein verabscheuungswürdigeres oder ein viel zu gutes Leben führen ? Deren Leben können wir aus der Ferne zwar weiter beobachten und werden bald feststellen, dass auch diese Leute ihre ganz besonderen Baustellen haben und einen ganz besonderen Tribut ans Leben entrichten müssen, wenngleich er anders aussieht als der unsere. Und wenn wir wieder zu uns selber kommen, sollten wir hier nun auch bleiben und tiefer ins Mysterium unseres Daseins schauen, es also intensiver studieren …

Meine eigenen Existenzängste begannen – um bei einem praktischen Beispiel zu bleiben – mit der ganz bewussten und dennoch blauäugigen Gründung einer eigenen Firma vor gut 25 Jahren. Ich wollte mich beruflich ohne das Hineinreden bisheriger Chefs ganz einfach selbst verwirklichen  und wusste noch nicht, dass man als Unternehmer einem Kampf um Aufträge und deren qualitätsgerechte Realisierung ausgesetzt sein würde. ich wusste auch nicht, dass man oftmals um die Bezahlung seines ehrlich verdienten Geldes bangen oder sogar kämpfen musste. Und weiterhin war mir nicht bekannt, wie viele gesellschaftliche Trittbrettfahrer noch in meine Tasche langen würden – diese sind jedem Unternehmer nur zu gut bekannt …

Als dann vor fast 10 Jahren meine Frau an einer seltenen und schweren Krankheit verstarb, fiel das Familieneinkommen drastisch in den Keller und ich musste vorübergehend einen Sozialzuschuss beantragen – eine außerordentlich unangenehme Situation. Als Geistheiler, der ich damals schon war, boten sich für mich die scheinbaren Möglichkeiten, meine Lebenssituation auf mystisch-magischem Wege wieder zu verbessern. Alles in allem hat mich die Ausbildung entsprechender Techniken ca. 800,- bis 1.000,- EUR gekostet und tatsächlich kaum etwas gebracht – die Hoffnung schwand immer mehr und die Zweifel daran, die Dinge des Lebens wirklich selber in der Hand zu haben, nahmen gleichzeitig zu. Vermutlich gab es doch noch außen stehende Kräfte, die mächtiger waren als ich und die meine Geschicke beeinflussten … ?

Mein Leben hielt sich immer auf einem bestimmten Niveau, wie ich später bei genauer Betrachtung feststellen konnte – es gab Auf’s und Ab’s, und im Fazit habe ich all die Jahre mit glücklichen und auch schrecklichen Momenten überlebt. Ein Vertrauen darauf, dass das weiter so gehen würde, konnte ich jedoch nur sehr schwer entwickeln, denn wir sind zu sehr darauf geeicht, die Geschicke selber in die Hand nehmen zu müssen. Doch müssen wir das wirklich oder wird uns das nur eingeredet und von wem und warum ?

Parallel zu diesem praktischen Leben studiere ich bereits seit gut 15 Jahren zahlreiche Schriften über unser eigentliches Dasein und verprobe deren Aussagen mit meinen eigenen Erfahrungen und mit meinen Beobachtungen. Es sind überwiegend fernöstliche Philosophien, was darauf zurückzuführen ist, dass ich meine erkrankte Frau mit fernöstlichen Heilmethoden behandelt hatte und deren Hintergründe auch tiefer verstehen wollte. Außerdem war ich in den westlichen Philosophien während meines Studiums und nachfolgender Qualifikationen schon soweit geschult, dass mich deren Fehlerhaftigkeit und Oberflächlichkeit nicht weitergebracht hatten – die „Veden“ beispielsweise empfinde ich als weitaus tiefgründiger und lebensnäher. Sowohl hieraus als auch aus meiner praktischen Heilarbeit weiß ich, dass wir selber individuelle Seelen mit einer materiellen Verkörperung sind, welche durch einen feinstofflichen Geist in Bewegung gehalten wird …

Nun gut – als verkörperte Seelen stehen wir (scheinbar) zunächst einmal alleine da, wenngleich sich um uns herum zahlreiche andere verkörperte Seelen befinden, mit denen wir auch mal interagieren. Haben wir dabei immer einen Einfluss, unser Leben nach unseren Bedürfnissen oder gar Wünschen zu gestalten ? Wie reagieren wir auf die Bedürfnisse und Wünsche der anderen Seelen ? Und wie verhält es sich, wenn uns allen etwas widerfährt, was wir gar nicht wollen – wer hält hier die Fäden in der Hand und hat die entsprechende Macht ? Genau das beantworten die bereits erwähnten „Veden“. Nachdem ich unter anderem die „Bhagavad Gita“ schon lange zuvor gelesen hatte, griff ich mir im Mai letzten Jahres das recht umfassende „Srimad Bhagavatam“. Diese philosophisch-spirituellen Schriften haben mich recht schnell gefesselt, aber zugleich stellte ich einen einschneidenden wirtschaftlichen Einbruch in meiner Selbständigkeit fest. Erstmalig kam bei mir der Verdacht auf, dass beides miteinander im Zusammenhang stehen könnte …

Erst kürzlich hatte ich in einer Art Meditation („Gespräch mit Gott“) ein merkwürdiges Bild: Ich fühlte mich in einer sehr großen Blase zwischen der hellblauen äußeren Haut und dem gleißend leuchtenden inneren Kern hin- und her geworfen. Die elastische Hülle stellte die Angst dar, die mich in Richtung des Kerns zurück drückte. Alsbald wurde mir der Sinn dieses Bildnisses klar: Die Hülle war die Materie, die in uns Ängste auslöst, wenn wir zu sehr in sie einzudringen versuchen, und der Kern war die spirituelle Quelle von allem, was ist, nämlich Gott („Krishna“). Dieses Erlebnis teilte ich mit einem langjährigen spirituell fortgeschrittenen Freund, der mir von einer sehr ähnlichen Erfahrung berichtete. Dem zufolge lag ich mit meiner Erkenntnis gar nicht so verkehrt …

Kurz danach fand ich im 4. Canto des „Srimad Bhagavatam“ die Bestätigung dafür, dass der Schöpfer (Gott bzw. „Krishna“) auf transzendentalem Wege direkt (in uns) oder indirekt (über Andere) unseren spirituellen Rückweg zu ihm („Heimkehr“) lenkt. Die Schwierigkeiten in der materiellen Welt (z.B. die Angst-Blase) sollen uns unter Berücksichtigung unseres individuellen spirituellen Erkenntnis- bzw. Entwicklungsstandes immer näher zurück zum Schöpfer führen, denn wir selber sind rein spirituelle Wesen und alle unsere sicht- sowie unsichtbaren Verkörperungen und der durch sie wuselnde feinstoffliche Geist sind „nur“ materielle Energien. Während dessen spirituelle Energien ungeboren, unveränderlich und unsterblich sind, ist Materie immer veränderlich und sterblich. Mit anderen Worten sollten wir uns von Dingen, deren Veränderlichkeit immanent ist, nicht beeindrucken lassen und schon gar nicht in sie zu sehr vertiefen oder verstricken …

Wir können also tun was wir wollen, um unsere materielle Existenz scheinbar aufzubessern – eine wirkliche Verbesserung unsere Lebensumstände (Existenzängste, schwere Erkrankungen, Beziehungsprobleme oder was auch immer) werden wir auf materieller Ebene niemals erreichen, sondern nur auf spiritueller, d.h. wenn wir uns von materiellen Anhaftungen schrittweise lösen. Das allerdings ist nicht gerade leicht, wie meine o.a. Erfahrungen zu Beginn des Studiums des „Shrimad Bhagavatam“ zeigten. Wir verfügen im Moment ja noch über einen materiellen Körper, den wir nicht einfach so loswerden und das vielleicht auch nicht so schnell möchten, denn ein wenig sind wir immer noch der auch schönen Materie verhaftet, wie z.B. unserer Familie und unseren Freunden, unserem Heim und der Natur, einer interessanten Arbeit und einem schönen Hobby …

Wie bekommt man nun den Spagat zwischen einer fortschreitenden spirituellen Entwicklung hin, ohne auf sein materielles Dasein groß verzichten zu müssen ? Zum Einen kann man hinterfragen, was von letzterem wirklich notwendig ist, denn es muss ja auch erhalten werden, was wiederum mit Anstrengungen (Leid) verbunden ist. Zum Anderen kann man die Ergebnisse seines Tuns für seine spirituelle Weiterentwicklung nutzen, d.h. einen Teil seines Einkommens für spirituell-philosophische Schriften u.ä. ausgeben. Der eigene spirituelle Fortschritt wird mit der Zeit dazu führen, sich nicht mehr auf unnötige materielle Dinge einzulassen, die man zunächst gerne nutzen oder sogar beherrschen möchte, letztlich aber zum Erkenntnisgewinn führen, dass das ein auswegloses Unterfangen ist und man selber als spirituelle Seele eigentlich nichts mehr damit zu tun haben muss …

Im Rückblick hat mir eine höhere Macht immer wieder geholfen, diesen Weg weiter zu gehen und dabei meinen ganz individuellen Lebensstandard auch beizubehalten, aber die existenzielle Angst wird wohl so lange nicht vergehen, so lange wir noch auf Materie stoßen – der Schöpfer will uns davon einfach fernhalten …

„Das Lebewesen hat von Natur aus die winzige Unabhängigkeit, sein gutes oder schlechtes Schicksal zu wählen, doch wenn es seinen höchsten Meister, die Höchste Persönlichkeit Gottes, vergißt, unterwirft es sich den Erschei­nungsweisen der materiellen Natur. Unter dem Einfluß der Erscheinungs­weisen der materiellen Natur identifiziert es sich mit dem Körper, und im Interesse des Körpers entwickelt es Anhaftung an verschiedene Tätigkeiten. Mal steht es unter dem Einfluß der Erscheinungsweise der Unwissenheit, mal unter dem Einfluß der Erscheinungsweise der Leidenschaft und mal unter dem Einfluß der Erscheinungsweise der Tugend. So bekommt das Lebe­wesen unter dem Einfluß der Erscheinungsweisen der materiellen Natur verschiedenartige Körper.“ („Srimad Bhagavatam“, 4. Canto, Kapitel 29, Vers 26-27)

„Die Lebewesen versuchen, den verschiedenen leidvollen Umständen ent­gegenzuwirken, die durch die Vorsehung, andere Lebewesen oder den Kör­per und den Geist entstehen. Dennoch müssen sie, trotz aller Versuche, den Gesetzen der Natur entgegenzuwirken, durch diese Gesetze bedingt bleiben.“ („Srimad Bhagavatam“, 4. Canto, Kapitel 29, Vers 32)

„Ein Mensch mag auf seinem Kopf eine Last tragen, und wenn sie ihm zu schwer erscheint, erleichtert er manchmal seinen Kopf, indem er die Last auf seine Schulter legt. Auf diese Weise versucht er, sich der Last zu entledigen. Doch ganz gleich, was er tut, um der Last entgegenzuwirken, er tut nicht mehr, als die gleiche Last von einer Stelle auf die andere zu legen.“ („Srimad Bhagavatam“, 4. Canto, Kapitel 29, Vers 33)

„… Niemand kann den Auswirkungen fruchtbringenden Tun’s nur dadurch entgegenwirken, daß er eine andere Tätigkeit erfindet, der es an Krishna-Bewußtsein mangelt. All dieses Tun ist auf unsere Unwissenheit zurückzuführen. Wenn wir einen schrecklichen Traum haben, können wir nicht durch eine andere schreckliche Sinnestäuschung Erleichterung erfahren. Man kann einem Traum nur dadurch entgegenwirken, daß man aufwacht. ln ähnlicher Weise ist unser materielles Dasein auf unsere Unwissenheit und unsere Illusion zu rückzuführen. Solange wir nicht zum Krishna-Bewußtsein erwachen, können wir von solchen Träumen nicht frei werden. Um für alle Probleme eine endgültige Lösung herbeizuführen, müssen wir zum Krishna-Bewußtsein erwachen.“ („Srimad Bhagavatam“, 4. Canto, Kapitel 29, Vers 34)

Anmerkung: Mit „Krishna-Bewusstsein“ ist zunächst höchste spirituell-philosophische Erkenntnis und Weisheit gemeint, die das Wissen über eine höchste schöpferische Intelligenz (Gott bzw. „Krishna“) impliziert